Die Qual der Wahl

Selten steht eine Bundestagswahl so emotional aufgeladen bevor wie diese. Selten hat ein einziges Kreuz auf dem Wahlzettel ein so großes Potenzial, die Zukunft Deutschlands nachhaltig zu prägen. Und selten wird eine neue Regierung vor größeren Herausforderungen und einer schwereren Bürde an Aufgaben stehen als im Wahljahr 2025.

Nur noch wenige Tage verbleiben, um eine Entscheidung zu treffen – für das Wohl des Landes, die Stärkung seines Wirtschaftsstandorts und die Sicherung der Grundbedürfnisse jedes Einzelnen: den Erhalt des Arbeitsplatzes, wirtschaftliche Stabilität, soziale Absicherung und zunehmend auch mehr innere Sicherheit. Eins ist klar: Ein „Weiter so“ ist angesichts der aktuellen Herausforderungen nicht nur fahrlässig, sondern brandgefährlich. Deutschland braucht keine ideologisch verblendeten Experimente mehr, sondern pragmatische Lösungen und echten Umsetzungswillen – basierend auf unseren Stärken, nicht auf Wunschdenken.

Die Ausgangsbedingungen könnten dabei kaum düsterer sein. Die parlamentarische Landschaft hat sich radikal gewandelt, die einst dominierenden Volksparteien wurden in der letzten Dekade regelrecht demontiert. Historische Wahlniederlagen haben sie geschwächt, ihre Gestaltungskraft ist nur noch ein Schatten vergangener Tage. Heute zersplittert sich der Bundestag auf sieben Fraktionen und Gruppen – von linksautoritär bis rechtspopulistisch. Weltbilder, die kaum gegensätzlicher sein könnten, machen die Koalitionsbildung zum Drahtseilakt und die Regierungsarbeit zur Zerreißprobe. Wie schwierig das geworden ist, haben wir längst erlebt: von den krachend gescheiterten Jamaika-Sondierungen 2017 bis zur Ampel-Regierung, die sich in Dauerstreit und Blockade selbst zerlegte. Auf dem Papier mag eine bunte Koalition breite Bevölkerungsschichten vertreten – in der Realität bedeutet sie lähmende Machtkämpfe statt entschlossener Reformen.

Für die Bauwirtschaft ist klar: Wer auch immer die nächste Regierung stellt, muss das Ruder herumreißen. Ja, VW & Co. sind zweifellos wichtig für Deutschland. Doch eine Branche, die ohne wirtschaftliche Abhängigkeit von China und den USA jährlich 230 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung erwirtschaftet, darf nach vier Jahren Stillstand und planlosem Zögern nicht länger zur Randnotiz verkommen. Der Abwärtstrend bei den Baugenehmigungen muss gestoppt, die Bauinvestitionen angekurbelt werden – nicht nur, um Arbeitsplätze zu sichern und Insolvenzen zu verhindern, sondern weil die verfehlte Wohnungspolitik längst zu einem sozialen Sprengsatz geworden ist.

Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt: Alle Parteien haben den Handlungsdruck erkannt, durch konkrete politische Maßnahmen den Eigentumserwerb zu fördern und die angespannten Finanzierungsbedingungen zu entschärfen. Doch die Ansätze klaffen weit auseinander. Während die einen auf eine Senkung der Baustandards und den Abbau bürokratischer Hürden setzen, dominieren bei anderen unrealistische Klimaschutzauflagen oder sozialpolitische Maßnahmen, die nur bestimmte Gruppen begünstigen und den Rest außen vor lassen. Die Bauwirtschaft erwartet zu Recht eine schnelle Regierungsbildung und eine zügige Verabschiedung des Bundeshaushalts, damit spätestens 2026 die Talsohle der Baukonjunktur durchbrochen wird. Der Wohnungsbau benötigt zudem eine sofortige Starthilfe – Maßnahmen, die nicht ständig gestoppt oder neu ausgerichtet werden, sondern konsequent und langfristig angelegt sind. Nur so lässt sich den Bauwilligen echte Unterstützung bieten und der Bauindustrie die dringend nötige Planungssicherheit verschaffen. Eine Förderung „nach Kassenlage“ wie bislang wäre ein fataler Fehler!

(Autor: Paul Deder)

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