Ein Jahr der Extreme

Das Jahr 2025 ist Geschichte – durchlitten, überstanden und endlich ad acta gelegt. Es reiht sich nahtlos in eine Serie von Krisenjahren ein, die längst ihren Ausnahmecharakter verloren haben. Für die Bürger, für die Industrie insgesamt und für die Bauwirtschaft im Besonderen war 2025 ein weiteres verlorenes Jahr. Und das kam mit Ansage.

Trotz vollmundiger Versprechen und hoher Erwartungen nach dem Bruch der Ampelkoalition im November 2024 war früh absehbar, dass die folgenden Monate finanz- und wirtschaftspolitisch unter keinem guten Stern stehen würden. Denn statt das Land entschlossen aus dem selbst gegrabenen Güllegraben zu ziehen, dominierten Ideologien und parteipolitische Eitelkeiten. Regiert wurde nicht – es wurde gestritten. Die Koalitionspartner verharrten in ihren Positionen, die Kuh kam nicht vom Eis, und das Land zahlte die Zeche. Verschärft durch eine zähe Regierungsbildung im Frühjahr wurde Deutschland inmitten der längsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte monatelang im Verwaltungsmodus gehalten. Investiert wurde auf Sparflamme, entschieden im Schneckentempo – wenn überhaupt. Die endlose vorläufige Haushaltsführung lähmte Planung, Ausschreibungen und Investitionen. Erst im September wurde der Bundeshaushalt 2025 verabschiedet – zu spät, um in diesem Jahr noch Wirkung zu entfalten, zu spät für Vertrauen, zu spät für Wachstum.

Natürlich gab es auch Lichtblicke. Die bauma in München zum Beispiel. Eine Woche lang wirkte sie wie eine Insel der Glückseligkeit: erstaunlich gute Stimmung bei Publikum und Ausstellern, volle Stände, intensive Gespräche. Doch das Wunder blieb aus. Kaum waren die Messestände abgebaut, kehrte die Realität zurück. Der politische Apparat zeigte nach den Wahlen keinerlei Ambitionen, tatsächlich Tempo aufzunehmen. Rambo Zambo? Fehlanzeige. Stattdessen erinnerte das politische Geschehen eher an einen Faustkampf Halbstarker: markige Sprüche, viel Getöse und endloses Schattenboxen – aber keine ernsthaften Treffer. Hohe Spannung, wenig Substanz, noch weniger Applaus.

Entsprechend blieb die Stimmung in der Bauwirtschaft verhalten. Das erste Halbjahr verstrich exakt so, wie es Kenner dieser zuweilen ausschließlich auf glänzende Rhetorik ausgelegten politischen Landschaft vorausgesagt hatten: ohne jede spürbare positive Entwicklung in der Branche. Auch wenn die Milliarden aus dem Sondervermögen auf dem Papier bereitstanden, blieben konkrete Ausschreibungen aus. Die Folge war Stillstand – und der traf vor allem den Straßenbau mit voller Wucht. Ins Handeln kam die Regierung erst im September, nachdem der Bundestag aus der parlamentarischen Sommerpause zurückgekehrt war und die notwendigen Beschlüsse gefasst wurden. Erst ab diesem Zeitpunkt zeigten sich erste positive Signale und konkrete Fortschritte. In kurzer Folge wurden Maßnahmen auf den Weg gebracht – etwa der „Bau-Turbo“ als Paket zur Beschleunigung von Planungs- und Bauprozessen oder die überfällige Effizienzhaus-55-Plus-Förderung. Zwar nur ein Pflaster auf die tiefen Wunden, aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. 

Die Mittel aus dem Sondervermögen stehen nun endlich zur Verfügung, staatliche Aufträge werden schrittweise freigegeben, und erste Statistiken weisen für 2025 auf ein leichtes Umsatzplus im Bauhauptgewerbe hin. Ob 2026 tatsächlich den erhofften Aufschwung bringt, bleibt abzuwarten. Trotz weiterhin bestehender Herausforderungen – von steigenden Baupreisen bis hin zu hoher Bürokratielast – verdichten sich jedoch die Hinweise auf eine beginnende Trendwende. Darauf bauen wir. 

(Autor: Paul Deder)

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