Dienstag, 15. Juli 2025

Abwanderung verstärkt Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist seit mehreren Jahren eines der bedeutendsten Probleme der Bauwirtschaft. Dabei rückt neben der Fachkräftegewinnung zunehmend die Abwanderung von Fachkräften in den Fokus. Um eine Vorstellung vom Ausmaß der Abwanderung, den Ursachen und möglichen Faktoren für eine Rückkehr der Fachkräfte zu gewinnen, hat SOKA-BAU im vergangenen Jahr bundesweit Baubetriebe, Beschäftigte und abgewanderte Arbeitnehmer befragt und damit eine Studie aus dem 2018 (damals aber nur für Nordrhein-Westfalen) fortgeführt.

In den Jahren 2023 und 2024 sind rund 45.000 gewerbliche Arbeitnehmern zwischen 18 und 50 Jahren aus der Bauwirtschaft abgewandert. Die Hauptgründe für die Abwanderung in andere Branchen sind vorrangig schlechte ökonomische Rahmenbedingungen sowie gesundheitliche Belastung durch die körperlich anspruchsvolle Arbeit. Rund 70 % dieser ehemaligen Arbeitnehmer bezeichnen ihre Abwanderung als dauerhaft, während 30 % sie von vornherein nur als temporär ansehen.

Auffällig ist im Vergleich zur vorherigen Erhebung (NRW 2018) die Verschiebung der Zielbranchen: Während früher vermehrt das Verarbeitende Gewerbe als Alternative genannt wurde, zieht es heute die meisten ehemaligen Bauarbeiter in den öffentlichen Dienst, also z. B. in Bauämter. Dies lässt sich mit der momentan angespannten konjunkturellen Lage im Verarbeitenden Gewerbe begründen.

Eine mögliche Rückkehr in die Bauwirtschaft beantworten die Befragten unterschiedlich: Der Anteil der Abgewanderten, die eine Rückkehr kategorisch ausschließen, ist erfreulicherweise von fast 40 % (NRW 2018) auf ein Viertel gesunken. Von den verbleibenden 75 % wird eine verbesserte Vergütung erneut als mit Abstand stärkster Rückkehranreiz genannt, gefolgt von verbesserten Arbeitsbedingungen. Andere Einflussfaktoren spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Die Befragung zeigt zudem im Vergleich zu 2018 eine deutlich höhere Sensibilisierung der Arbeitgeber für das Problem. 85 % der befragten Betriebe stimmen der Aussage zu, dass das Problem der Abwanderung von Fachkräften in Zukunft weiter zunehmen werde. Mehr als 40 % der Betriebe haben bereits spezifische Maßnahmen zur Fachkräftesicherung ergriffen – auch dies eine deutliche Steigerung gegenüber 2018 (ca. 30 %). Am häufigsten wurden dabei Gehaltserhöhungen umgesetzt, gefolgt von kommunikativen Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas sowie weiteren finanziellen Anreizen. Erfreulicherweise vertreten nun lediglich 13 % der Betriebe (2018 NRW: 40 %) die Auffassung, dass es keine wirksamen Maßnahmen gegen die Abwanderung gibt.

Von den knapp 200.000 gewerblichen Arbeitnehmern, die bereits seit längerer Zeit in der Baubranche tätig sind und aufgrund ihres Alters (zwischen 18 und 50 Jahren) noch einen Branchenwechsel in Erwägung ziehen könnten, zeigen sich laut Befragungsergebnissen 23 % als abwanderungsbereit. 19 % denken über einen dauerhaften Ausstieg nach, 9 % sehen dies sogar als unwiderruflich an. Etwa jeder Zehnte könnten sich eine anschließende Rückkehr vorstellen, sofern sich die Arbeitsbedingungen substanziell verbessern. Auch hier dominieren als Motive für einen Branchenwechsel – wie bereits 2018 – die gesundheitliche Belastung, gefolgt von ökonomischen Gründen sowie der Kritik an Arbeitszeiten und -belastung.

Die Befragung zeigt, dass mit einer weiteren signifikanten Abwanderung von Fachkräften gerechnet werden muss und dies den Fachkräftemangel weiter verschärft. Die Befragung zeigt aber auch einige positive Aspekte. So ist ein relevanter Teil der abgewanderten bzw. abwanderungswilligen Fachkräfte grundsätzlich bereit, zurückzukehren, sofern sich wichtige Rahmenbedingungen – insbesondere Vergütung, Arbeitsbedingungen und Arbeitsklima – verbessern. Darüber hinaus nehmen die Baubetriebe die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen sehr viel stärker als in der Vergangenheit als bedeutendes Problem war und haben auch in stärkerem Maße bereits mit konkreten Maßnahmen reagiert.

Die Analyse ist Teil des neuen Ausbildungs- und Fachkräftereports der Bauwirtschaft.

Weitere Artikel:

16. April 2026
Doka
Doka: Markus Hlawatsch steigt zum COO auf
Doka
Mit Markus Hlawatsch als neuem Chief Operating Officer (COO) erweitert Doka Deutschland seit Anfang 2026 ihre Geschäftsführung um einen Experten für operative und technische Prozesse. Der 36-Jährige soll die Bereiche Operations und Engineering weiter verzahnen und die Digitalisierung durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz vorantreiben.
16. April 2026
Insolvenz
Insolvenzdruck am Bau spitzt sich zu
Insolvenz
Die Insolvenzwelle rollt weiter – und sie trifft die Baubranche mit voller Wucht. Zwar liegt das Baugewerbe bei der Insolvenzhäufigkeit noch hinter dem Gastgewerbe und der Logistik, doch mit 7,8 Fällen je 10.000 Unternehmen gehört es klar zu den am stärksten betroffenen Branchen. Steigende Kosten, zurückhaltende Investitionen und eine anhaltend schwache Auftragslage setzen viele Betriebe zunehmend unter Druck. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen damit ein klares Bild: Die Krise ist im Bau längst angekommen
13. April 2026
Wolff & Mueller
Wolff & Müller gewinnt Deutschen Baupreis 2026
Wolff & Mueller
Wolff & Müller hat den Deutschen Baupreis 2026 in der Kategorie „Bauunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden“ gewonnen. Die Auszeichnung wurde am 24. März auf der digitalBAU in Köln verliehen und würdigt unter anderem die Qualität der Bauausführung, den Einsatz von BIM und Lean Management sowie den Fokus auf Arbeitssicherheit und Work-Life-Balance.
13. April 2026
Volvo Trucks stellt deutsches Management neu auf
Volvo Trucks stellt deutsches Management neu auf
Volvo Trucks stellt deutsches Management neu auf
Volvo Trucks ordnet zentrale Schlüsselpositionen im deutschen Management neu, um die Vertriebsorganisation künftig gezielter zu unterstützen. Mit der Aufteilung von „New Vehicle Sales“ in drei Bereiche und mehreren neuen Führungsrollen will der Lkw-Hersteller Kunden und Partner noch stärker in den Fokus rücken und die Weichen für die Unternehmensziele bis 2030 stellen.
13. April 2026
Dynapac
Abschied und Aufbruch: Dynapac beendet SD2500er Ära
Dynapac
Mit einem feierlichen Moment und spürbarem Teamgeist hat Dynapac im Werk Wardenburg ein bedeutendes Kapitel seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen: Der letzte Großfertiger der erfolgreichen SD2500er Reihe, der seit 2019 in Wardenburg produziert wird, ist vom Band gelaufen. Mitarbeiter und Geschäftsführung kamen zusammen, um diesen Meilenstein gebührend zu würdigen – und zugleich den Blick nach vorn zu richten, wo bereits die nächste Generation innovativer Fertiger bereitsteht.
10. April 2026
Volvo CE
Volvo CE startet E-Dumper-Produktion
Volvo CE
Mit dem Start der Serienproduktion des A30 Electric und A40 Electric setzt Volvo Construction Equipment einen weiteren Meilenstein in der Elektrifizierung schwerer Baumaschinen. Als erster Hersteller weltweit bringt das Unternehmen elektrische knickgelenkte Dumper dieser Größenklasse in die industrielle Fertigung und treibt damit den Wandel hin zu emissionsarmen Lösungen im Steinbruch- und Bergbau konsequent voran. Die neuen Modelle stehen dabei nicht nur für technologische Innovation, sondern auch für die Weiterentwicklung eines historischen Maschinenkonzepts, das seine Wurzeln im Volvo-CE-Werk im schwedischen Braås hat.
07. April 2026
Rockwool
Rockwool investiert am Standort Flechtingen
Rockwool
Mit einer modernisierten Produktionsanlage erweitert Rockwool in Flechtingen seine WDVS-Fertigung und produziert die Putzträgerplatte Coverrock X-2 künftig auch im Format 1.200 x 400 mm. Die Investition in Höhe von rund 16 Mio. Euro soll Lieferwege verkürzen, die Verfügbarkeit verbessern und zugleich die CO2-Emissionen senken. Am 1. April feierte das Unternehmen gemeinsam mit u. a. Ministerpräsident Sven Schulze die Inbetriebnahme Anlage.
07. April 2026
Kommunen
Mehr Tempo und Spielraum für Kommunen
Kommunen
Mit dem „Baugesetzbuch-Upgrade“ läutet das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen eine umfassende Reform des Städtebau- und Raumordnungsrechts ein. Der jetzt in die Länder- und Verbändeanhörung gegebene Gesetzentwurf soll Kommunen mehr Handlungsspielraum bei der Schaffung von Wohnraum, der digitalen Planung und der Klimaanpassung eröffnen. Ziel ist eine moderne, beschleunigte und sozial ausgewogene Stadtentwicklung, die den Wohnungsbau priorisiert, ökologische Belange wahrt und lebenswerte Nachbarschaften stärkt.
02. April 2026
Liebherr
Liebherr blickt auf ein erfolgreiches 2025 zurück
Liebherr
Die Firmengruppe Liebherr blickt auf ein stabiles Geschäftsjahr 2025 zurück: Mit einem Umsatz von 14.772 Mio. € konnte das Unternehmen das Vorjahresniveau leicht übertreffen und setzte seine Investitionen auf hohem Niveau fort. Besonders stark wuchsen die Bereiche Maritime Krane, Aerospace, Verkehrstechnik, Kühl- und Gefriergeräte sowie Hotels, während der Umsatz im Segment Baumaschinen und Mining leicht rückläufig war. Regional zeigte sich ein differenziertes Bild: Wachstum verzeichnete Liebherr unter anderem in Deutschland, Mittel- und Südamerika sowie in Teilen Afrikas und des Nahen Ostens.