Dienstag, 24. März 2026

Ifo wirft Regierung Zweckentfremdung von Schulden vor

Die Regierung hat die im Jahr 2025 aufgenommenen neuen Schulden zu 95 % nicht für zusätzliche Infrastrukturinvestitionen eingesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Berechnung des Ifo Instituts zur Nutzung des Sondervermögens für Klimaneutralität und Infrastruktur (SVIK). „Wir haben festgestellt, dass die Politik die schuldenfinanzierten Mittel nahezu vollständig für andere Zwecke, also zum Stopfen von Haushaltslöchern, genutzt hat. Das ist ein großes Problem. Die zusätzlich aufgenommenen Schulden sollten für zusätzliche Investitionen eingesetzt werden, die das Wirtschaftswachstum langfristig stützen“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest.

In den vom Ifo Institut analysierten Daten zeigt sich, dass die Schuldenaufnahme im Jahr 2025 im Rahmen des SVIK um 24,3 Mrd. Euro erhöht wurde. Die tatsächlichen Investitionen des Bundes lagen aber nur um 1,3 Mrd. Euro über den Investitionen von 2024. Damit ergibt sich eine Lücke von 23 Mrd. Euro an zusätzlichen Schulden, die nicht in zusätzliche Investitionen geflossen sind.

Die Zweckentfremdung ergibt sich dadurch, dass die Regierung die Investitionssumme im Kernhaushalt 2025 gegenüber 2024 reduziert hat: „Es kam zu Verschiebungen einzelner Posten vom Kernhaushalt in das kreditfinanzierte SVIK. Dazu gehören insbesondere Zuschüsse im Verkehrsbereich, weshalb im Kernhaushalt weniger investiert wurde als in den Vorjahren. Ein großer Teil der Investitionen im Sondervermögen ist deshalb nicht zusätzlich“, sagt Emilie Höslinger, Forscherin am Ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen.

Nicht statthaft ist laut Ifo Institut das Argument, dass es wegen langwieriger Gesetzgebungsverfahren oder realwirtschaftlicher Engpässe zu einem verzögerten Abfluss der Mittel kam, denn dann hätten auch die Schulden nicht so stark ansteigen dürfen. „Die Bundesregierung hat in Zukunft die Möglichkeit, die Quote der Zweckentfremdung zu senken. Dazu müssten vor allem die Investitionsausgaben im Kernhaushalt erhöht werden, sonst kann man auch weiterhin nicht von zusätzlichen Investitionen sprechen“, sagt Max Lay, Fachreferent am Ifo Zentrum für Finanzwissenschaft.  

"Heute bestätigt die Wissenschaft, was die Bauindustrie seit knapp einem Jahr wiederholt: Die Mittel des Sondervermögens fließen zwar de facto in die Infrastruktur – wenn aber im gleichen Maße reguläre Haushaltsmittel abgezogen werden, muss man benennen, was wir hier sehen: einen Verschiebebahnhof", kommentiert Bauindustrie-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller die Erkenntnisse des Ifo Instituts. "Das Sondervermögen erfüllt somit die Erwartungen nicht: die Mittel sind nicht zusätzlich, wie es die Bürgerinnen und Bürger verstanden haben. Es sorgt dadurch weder für den erwünschten, langfristigen Wachstumsimpuls, noch stellt es eine ausreichende Instandsetzung und Modernisierung unserer Infrastruktur sicher. Beide Argumente waren jedoch Grundvoraussetzung für die Aufnahme dieser Sonder-Schulden." Man brauche eine verlässliche, überjährige und von den Haushaltszwängen unabhängige Infrastrukturfinanzierung, so Müller. "Deswegen müssen die im Koalitionsvertrag versprochenen Instrumente, insbesondere der Finanzierungskreislauf Straße und ein langfristiger Schienenfonds, mit Nachdruck vorangetrieben werden. Auch die Frage nach der Nutzung von privatem Kapital muss diskutiert werden."

Weitere Informationen:

www.ifo.de

Weitere Artikel:

17. Juni 2026
Bauindustrie
Bauindustrie drängt auf neue Finanzierungslogik für Verkehrsträger
Bauindustrie
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie fordert einen dauerhaft verlässlichen und überjährigen Gesamtfinanzierungsansatz für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes. Straße, Schiene und Wasserstraße müssten als zusammenhängendes System gedacht und planbar finanziert werden, um ihre Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern. Angesichts eines Investitionsbedarfs von über 600 Mrd. Euro bis 2030 und schwindender realer Investitionskraft reichten nominal steigende Budgets nicht mehr aus. Entscheidend sei eine preisbereinigte, effiziente Mittelverwendung sowie eine strukturell abgesicherte Finanzierung über Legislaturperioden hinweg.
17. Juni 2026
Fagsi
FAGSI erhält aBG für modulare Containerbauweise
Fagsi
Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat FAGSI, Teil der ALHO Unternehmensgruppe, die Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) für die ProENERGY-Containerbauweise erteilt. Damit ist FAGSI das erste Unternehmen in Deutschland, dessen containerbasierte, modulare Bausysteme diese Zulassung erhalten. Die Genehmigung bestätigt die vollständige Erfüllung aller brandschutztechnischen und baurechtlichen Anforderungen der Landesbauordnungen. Sie schafft zugleich die Grundlage für deutlich schnellere und rechtssichere Planungs- und Genehmigungsprozesse im modularen Bauen.
16. Juni 2026
JCB
JCB Deutschland baut digitalen Vertrieb aus
JCB
JCB Deutschland erweitert seine digitalen Vertriebskanäle und startet mit dem neuen JCB Machine Store eine zentrale Plattform für Interessenten. Der digitale Auftritt ist ein wichtiger Baustein der Digitalisierungsstrategie des Unternehmens und bietet einen intuitiven Zugang zum gesamten Maschinenportfolio. Nutzer können gezielt nach Modellen suchen oder sich über verschiedene Produktkategorien schnell und bedarfsgerecht orientieren. Perspektivisch soll die Plattform um eine anwendungsbasierte Suche erweitert werden, damit Kunden noch einfacher die passende Maschine für ihren konkreten Einsatz finden.
16. Juni 2026
Manitou
Manitou Deutschland feiert 30 Jahre
Manitou
Drei Jahrzehnte voller Innovation, Leidenschaft und starker Partnerschaften: Die Manitou Deutschland GmbH feiert am 25. Juni 2026 ihr 30-jähriges Bestehen. Ab 11:00 Uhr verwandelt sich das Firmengelände in Friedrichsdorf in ein Festival-Areal für Gäste aus der Region, der Branche und darüber hinaus. Der Eintritt ist frei, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Mit Live-Demonstrationen, Maschinen-Power und Festival-Atmosphäre bietet das Jubiläum ein abwechslungsreiches Programm für alle Interessierten.
15. Juni 2026
Tech in Construction
ConTech-Startups zeigen Lösungen für die Baupraxis
Tech in Construction
In einer Woche ist es so weit: Die Tech in Construction geht in die heiße Phase. Vom 23. bis 25. Juni 2026 wird die neue Eventlocation ringberlin zum Treffpunkt für die ConTech-Szene und die Bauwirtschaft. Rund 50 Startups präsentieren ihre Lösungen für zentrale Herausforderungen wie Produktivität, Fachkräftemangel und Dekarbonisierung – unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Damit wird die Veranstaltung einmal mehr zur Plattform für Innovationen und zukunftsfähiges Bauen.
12. Juni 2026
Heidelberg Materials stellt Werk Zurow auf erneuerbare Energien um
Heidelberg Materials stellt Werk Zurow auf erneuerbare Energien um
Heidelberg Materials stellt Werk Zurow auf erneuerbare Energien um
Heidelberg Materials Mineralik hat seinen Produktionsprozess am Standort Zurow vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt. Möglich wird dies durch den Bezug von Grünstrom, den Einsatz vollelektrischer Radlader sowie eine perspektivisch integrierte schwimmende Photovoltaikanlage. Mit der Elektrifizierung der mobilen Baumaschinen entfällt eine der letzten wesentlichen CO2-Emissionsquellen im Betrieb. Damit nimmt der Standort eine Vorreiterrolle auf dem Weg zu einer nahezu CO2-neutralen Produktion von Sand und Kies ein.
15. Juni 2026
Meiller
Meiller gewinnt ETM Award 2026
Meiller
Meiller ist mit dem ETM Award 2026 als beste Kipper-Marke ausgezeichnet worden. Bei der Leserwahl der Fachmedien Trans Aktuell, Fernfahrer und Eurotransport.de setzte sich das Unternehmen mit 25,99 % der Stimmen gegen zahlreiche Wettbewerber durch. Die renommierte Auszeichnung gilt als wichtiger Gradmesser für Qualität, Innovationskraft und Marktakzeptanz in der Transport- und Logistikbranche. Für Meiller ist der Erfolg zugleich eine Bestätigung des hohen Vertrauens, das Kunden, Fahrer und Transportunternehmen den Kipperlösungen des Unternehmens entgegenbringen.
15. Juni 2026
Wienerberger
Wienerberger Deutschland ordnet Vertrieb im Steildach neu
Wienerberger
Wienerberger Deutschland stellt seine Vertriebsorganisation gezielt neu auf: Zum 1. Juni 2026 hat Matthias Meir die Leitung Vertrieb und Produktmanagement der Division Steildach übernommen. Florian Scherr, Geschäftsführer für Vertrieb, Marketing und Produktmanagement, übergibt die bislang zusätzlich von ihm geführte Steildach-Sparte im Zuge dieser Neustrukturierung.
10. Juni 2026
Wirtgen Gropu
Wirtgen Group AZUBI techdays: Lernen unter realen Baustellenbedingungen
Wirtgen Gropu
Vom 20. bis 22. Mai wurde Theorie zur Praxis: Rund 80 Auszubildende der Wirtgen Group realisierten bei der Hamm AG in Tirschenreuth ihr eigenes Straßenbauprojekt. Im Rahmen der AZUBI techdays arbeiteten sie markenübergreifend unter realen Bedingungen zusammen und übernahmen dabei Verantwortung für Planung und Umsetzung. Neben technischem Know-how standen vor allem Teamarbeit, Eigeninitiative und Problemlösungskompetenz im Fokus. Ein praxisnahes Format, das Fachwissen festigt und gleichzeitig den Grundstein für die Zusammenarbeit von morgen legt.