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Mittwoch, 23. November 2022

Klimaneutralität: bis 2045 unrealistisch

Wenn die komplexe Transformation hin zum nachhaltigen Wirtschaften in Deutschland gelingen soll, müssen die Anstrengungen deutlich erhöht werden und die entscheidenden Erfolgsfaktoren in Transformationsprozessen stärker berücksichtigt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Herausforderungen bei der Transformation hin zum nachhaltigen Wirtschaften“ des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) und des Marktforschungsinstituts Innofact, an der 220 Führungskräfte aus Unternehmen und 213 Consultants aus den deutschen Beratungshäusern teilgenommen haben.

60 % bewerten die bisherigen Nachhaltigkeitsanstrengungen in der Gesamtwirtschaft als nicht zufriedenstellend. Besonders die Consultants sind kritisch: Nur jeder vierte sieht die Bemühungen als ausreichend an. Dass die Bundesregierung wichtige Kernziele erreicht, stellt ein Großteil der befragten Führungskräfte in Frage. Fast 70 % der Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Consultingbranche hält die Klimaneutralität bis 2045 aus heutiger Sicht für unrealistisch. 80 % Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 können sich nur etwa 38 % vorstellen.

Weiterhin zeigen die Studienergebnisse deutlich, dass die Befragten die Rolle der Politik bei vielen Stellschrauben im Transformationsprozess eher kritisch bewerten. So schätzt noch nicht einmal jeder Vierte die Ziele der Bundesregierung als transparent, ausreichend erklärt und messbar ein. Bei den Consultants gibt dies sogar nur jeder Zehnte an. Beispiel Klimaneutralität: Für die Hälfte der Befragungsteilnehmenden ist bisher unklar geblieben, auf welchem Weg das Ziel Klimaneutralität bis 2045 überhaupt erreicht werden soll. Hinsichtlich der Kommunikation des Ziels werden erhebliche Mängel konstatiert. Besonders die Consultants stellen in Frage, ob ausreichend durch die Bundesregierung kommuniziert wird, so dass die Unternehmen die notwendigen Maßnahmen berücksichtigen und umsetzen können.

Klarheit, Umsetzbarkeit und Messbarkeit bei Politik bemängelt 

Nur jeder fünfte Studienteilnehmende bezeichnet die Ziele der Bundesregierung hinsichtlich der nachhaltigen Transformation als ausreichend transparent und messbar. Lediglich sieben Prozent der Consultants sind dieser Meinung. Dass die Ziele von Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik hinreichend erklärt werden, gibt rund jeder vierte Studien-Teilnehmende aus der gesamten Befragungszielgruppe an. Auch hier fällt der Zustimmungswert aus den Unternehmensberatungen mit 12,7 Prozent merklich geringer aus.

Im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsinitiativen im eigenen Unternehmen werden bei beiden Befragungszielgruppen unisono die zu große Bürokratie und fehlende Sicherheit durch die Politik als die Top-Hemmnisse bezeichnet. Und: Jede zweite Führungskraft aus der Gesamtwirtschaft beklagt fehlende finanzielle Mittel. Bei den Consultants ist dieser Anteil deutlich geringer und liegt bei 14,6%. Ein mangelndes Verständnis im eigenen Unternehmen für die Notwendigkeiten beim Thema „Nachhaltiges Wirtschaften“ konstatiert in beiden Befragungszielgruppen hingegen nur jeder Zehnte.

Nachhaltigkeit in der Wirtschaft steht nicht in Frage 

Dabei spürt die Wirtschaft den Transformationsprozess hin zum nachhaltigen Wirtschaften deutlich: 62 % schätzen diese Entwicklung als sehr stark oder stark für die Gesamtwirtschaft ein. Zum eigenen Unternehmen gefragt liegt dieser Wert sogar bei 71 %. Fazit: Das Thema ist in den deutschen Unternehmen voll angekommen.

Ralf Strehlau, BDU-Präsident: „Die Studienergebnisse zeigen, dass die Transformation hin zum nachhaltigen Wirtschaften trotz der multiplen Krisensituation durch Putins Angriffskrieg, Inflation, Rezession, Energieunsicherheit und Corona-Pandemie weiter einen hohen Stellenwert unter Führungskräften aus der Wirtschaft besitzt. Allerdings wird auch die Unzufriedenheit über den bisherigen Verlauf und den Stand sowie die Gestaltung der Rahmenbedingungen durch die Politik überdeutlich. Vor allem an der Klarheit in den Zielen, bei regelmäßiger Kommunikation der zentralen Botschaften, bei messbaren Teilzielen sowie gelebter Fehlerkultur mangelt es. Dies sind aber alles bewährte Instrumente und Voraussetzung für gelingende Veränderungsprozesse.“

Christian Thunig, Managing Partner Innofact AG Research & Consulting: „Nicht erst der Klimagipfel in Ägypten hat wieder gezeigt, dass der Umbau hin zur Klimaneutralität zu langsam geht. Dabei liegt es nicht zwangsläufig an der gerne gescholtenen Wirtschaft: Überbordende Bürokratie und die fehlende Sicherheit seitens der Politik hemmen aus Sicht der deutschen Wirtschaft die transformatorischen Bemühungen an vorderster Stelle.”

Studienhintergrund

An der Online-Befragung für die Kooperationsstudie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) und des Marktforschungsinstituts Innofact AG mit dem Titel "Herausforderungen bei der Transformation hin zum Nachhaltigen Wirtschaften" haben in der Zeit vom 15. September bis 5. Oktober 2022 insgesamt 213 Consultants sowie 220 Führungskräfte aus Unternehmen teilgenommen. 13,1 % der Teilnehmenden stammen aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 100 Mio. Euro, 8,9 % aus Unternehmen mit 20 bis 100 Mio. Euro Umsatz, 22,3 % aus Unternehmen mit 1 bis 20 Mio. Euro Umsatz und 55,7 % aus Unternehmen mit einem Umsatz unter 1 Mio. Euro.

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