Die Bauwirtschaft steht 2026 und 2027 vor einem Spannungsfeld aus anhaltendem Krisendruck und neuen technologischen Entwicklungen. Laut einer Befragung von BauInfoConsult bestimmen vor allem Fachkräftemangel, steigende Baukosten und höhere Materialpreise die Branche – jeweils 48 % sehen darin die wichtigsten Einflussfaktoren. Viele Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, serielles und modulares Bauen oder BIM geraten dadurch ins Hintertreffen, während KI-Anwendungen bislang nur für einen Teil der Hersteller das Potenzial zum prägenden Branchentrend haben.
In der Online-Befragung des Düsseldorfer Marktforschungsbüros BauInfoConsult wurden 40 Hersteller von Bau- und Installationsprodukten aus Bereichen wie Heizung und Klima, Baustoffe, Ausbaumaterial, Werkzeug, Dachbau, Türen und Fenster zu ihren Trenderwartungen befragt. Konkret ging es darum, diejenigen Entwicklungen zu identifizieren, deren Einfluss die Baubranche aus Sicht der Industrie im Zeitraum bis 2027 besonders prägen wird. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Jeder zweite Hersteller geht davon aus, dass Fachkräftemangel sowie steigende Baukosten und Materialpreise die Baulandschaft dominieren. Diese klassischen Krisenthemen sind aktuell derart übermächtig, dass zahlreiche prominente Trendthemen nur unter ferner liefen genannt werden.
Fachkräftemangel bleibt Topthema
Dabei zeigt sich einmal mehr: Der Fachkräftemangel wird immer dringender als Problem der Bauwirtschaft gesehen. Angesichts der Verabschiedung ganzer Mitarbeiterstämme in den Ruhestand wird vor allem der rasante Verlust an aufgebauten Erfahrungen und Kompetenzen von den Unternehmen beklagt. Damit behält der Fachkräftemangel auch aus Herstellersicht 2026 seine Topposition als einflussreichster Branchentrend – 48 % der Befragten sehen ihn als bestimmenden Faktor für die kommenden beiden Jahre.
Ebenso hoch bewertet werden Baukosten und Materialpreise – zwei negative Entwicklungen, deren Dominanz im zweiten Halbjahr 2025 eigentlich etwas abzuebben schien. Doch seit dem neuen Aufflammen des Krisenherds Nahost ist der Preisaufschlag für Materialproduktion und Baulogistik mit Macht zurückgekehrt und hält unterschwelliges Bedrohungspotenzial für den aktuellen Erholungstrend der Baunachfrage bereit. Mit Materialkostenanstiegen rechnen in nächster Zeit die allermeisten Herstellersegmente – etwas weniger drastisch sieht es lediglich bei den Werkzeugherstellern und den Ausbaumaterialproduzenten aus.
Zukunftsthemen geraten ins Hintertreffen
Viele weitere Entwicklungen, die in der Branche aktuell eine große Rolle spielen, stehen klar im Schatten dieser drei negativen Faktoren. Das gilt etwa für nachhaltiges, energieeffizientes, modulares und serielles Bauen oder das Bauen mit BIM. Selbst der relativ junge und öffentlich breit diskutierte Trend zu KI-Anwendungen wird nur von 18 % der Hersteller als Entwicklung gesehen, die 2026 und 2027 zum dominanten Branchentrend werden könnte.
Die Entwicklungsthemen, die bei der Frage nach den bestimmenden Bautendenzen 2026 und 2027 weniger prominent platziert wurden, sind deshalb aus Sicht der Unternehmen keineswegs unwichtig. Ihnen wird lediglich keine branchenbestimmende Wirkung mehr zugetraut. Das war in den Zehnerjahren noch anders, als vor allem Energieeffizienz und Nachhaltigkeit auf Herstellerseite als wichtigste Einfluss-Trends gesehen wurden.
Präsent in den F&E-Abteilungen
Dass an diesen Themen aus Sicht der Industrie dennoch kein Weg vorbeiführt, zeigen die Entwicklungstrends in der aktuellen Befragung. Umwelt- und Klimaschutzthemen wurden von den Herstellern prominent als aktuell wichtige Felder der Forschung und Entwicklung im eigenen Unternehmen genannt. Ebenfalls weit oben auf den F&E-Agenden stehen Digital- und Technikthemen.
