Asphalt aus Plastikmüll

Ohne Straßen läuft nichts. Sie sind unverzichtbar, weil sie nahezu alles verbinden, was wir im Alltag brauchen. Und sie bestehen vor allem aus Asphalt: einem Gemisch aus rund 95 % Gesteinskörnung und etwa 5 % Bitumen. Damit der Fahrbahnbelag eine möglichst lange Lebensdauer erreicht, werden dem Material seit geraumer Zeit spezielle Kunststoffe beigemischt. Diese erhöhen die Flexibilität des Asphalts und reduzieren dadurch die Rissbildung.

Doch warum neue Polymere produzieren, wenn die Welt im Plastikmüll zu ersticken droht? Diese Frage stellte sich auch das Berliner Start-up Ecopals. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut und der Universität Kassel entwickelte das Unternehmen ein Verfahren, mit dem bislang nicht recycelbares Plastik, das zuvor ausschließlich verbrannt werden konnte, so aufbereitet wird, dass es im Asphaltbau eingesetzt werden kann. Das Produkt mit dem Namen EcoFlakes macht die Neuproduktion von Rohstoffen überflüssig, ersetzt rund 10 % des Bitumens und macht den Straßenbau insgesamt umweltschonender.

Nach Angaben von Ecopals lassen sich mit dem so hergestellten Asphalt in der Produktion bis zu 20 % CO2-Emissionen einsparen. Auch wirtschaftlich bietet das Verfahren Vorteile: Die Verwendung von Kunststoffschnipseln aus Flaschen und Verpackungen ist günstiger als der Einsatz neu produzierter Polymere. Zudem sollen Asphaltmischungen mit EcoFlakes robuster sein, was den Sanierungsbedarf und damit die Lebenszykluskosten von Straßen reduziert. Nicht zuletzt bleibt der Asphalt am Ende seiner Nutzungsdauer vollständig recyclingfähig und kann erneut im Straßenbau eingesetzt werden.

Ein interessanter Ansatz, der global betrachtet allerdings nicht neu ist. So wird in Indien, einem Land mit großen Herausforderungen im Umgang mit Abfällen, bereits seit rund zehn Jahren geschmolzenes Kunststoffgranulat im Straßenbau eingesetzt. Auf diese Weise sollen dort inzwischen mehr als 100.000 km Straßen realisiert worden sein. 

In Deutschland begegnet man solchen Lösungen zuweilen mit Skepsis – nicht zuletzt, weil starre Regelwerke und technische Vorschriften in der Asphaltherstellung innovativen Ansätzen enge Grenzen setzen. Dennoch ist es dem Team um den Geschäftsführer und Mitgründer des Start-ups, Jonas Varga, gelungen, hierzulande über zwei Dutzend Projekte umzusetzen. Insgesamt hat das Unternehmen rund 150 t Kunststoff recycelt und etwa 100.000 m² Straße gebaut – umwelt- und ressourcenschonend.

(Autor: Paul Deder)

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