Holzfaserdämmstoffe sind in Deutschland zwar kein Massenprodukt, aber als ökologische Dämmung etabliert und in wachsender Bedeutung. Sie werden in Form flexibler Matten und stabiler Platten für Dach, Wand, Boden und Fassade eingesetzt – im Neubau ebenso wie in der Sanierung. Neben ihren Dämmeigenschaften überzeugt der diffusionsoffene Baustoff auch beim sommerlichen Hitzeschutz und beim Schallschutz. Typische Einsatzbereiche sind die Aufdachdämmung, die Zwischensparrendämmung, die Außendämmung unter Putz oder Bekleidung sowie die Innendämmung.
Holzschaum ist dagegen noch ein vergleichsweise neuer Werkstoff, dessen Marktpotenzial sich erst noch zeigen muss. Als nachwachsender Rohstoff, der auch technisch mit synthetischen Dämmstoffen mithalten kann, dürfte er jedoch für die Zukunft interessant sein. Da Holzschaum keine Klebstoffe benötigt, weil die holzeigenen Bindekräfte für Stabilität sorgen, ist er zudem ökologisch und vollständig recyclebar.
Bislang werden Holzfaserdämmstoffe vorwiegend aus Nadelholz hergestellt. Aufgrund der durch den Klimawandel verursachten Waldschäden und des damit verbundenen Waldumbaus verändert sich das Rohstoffangebot jedoch fortlaufend, sodass Nadelholz künftig möglicherweise nicht immer in ausreichender Menge verfügbar ist. Vor diesem Hintergrund hat das Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI gemeinsam mit der Loick Biowertstoffe GmbH, dem Ziegelwerk Bellenberg Wiest GmbH & Co. KG, der Georg-August-Universität Göttingen und der Japes GmbH untersucht, ob sich Holzfaserdämmstoffe auch aus Buchenholz herstellen lassen. Dazu entwickelten die Partner Dämmmatten und neuartige Holzschaumgranulate aus Buchenholzfasern und testeten deren Einsatz als Füllung für Hochlochziegel in der Praxis. Außerdem wurden unterschiedliche Verfahren zur Faseraufbereitung, die Faserlegung, Brandschutzmittel sowie der Einsatz von geringwertigem Schadholz geprüft. Für die Umsetzung im Pilotmaßstab nutzten die Forschereine Mietanlage der Universität Göttingen; parallel dazu entstand gemeinsam mit Japes ein Konzept für eine Pilotanlage.
Die Ergebnisse zeigen, dass Buchenholzfasern technisch gut geeignet sind. Die Dämmmatten erreichen wettbewerbsfähige thermische Eigenschaften, und für den industriellen Füllprozess sind vor allem eine homogene Steifigkeit und eine gleichmäßige Stärke der Matten entscheidend. Auch die Kreislaufführung ist möglich, da sich die gefüllten Ziegel nach dem Rückbau mechanisch trennen und die Dämmstoffe weiterverwerten lassen. Die zurückgewonnenen Dämmstoffmatten können bei höheren Temperaturen zu dichten Holzwerkstoffplatten mit mehr als 1.000 kg/m³ verpresst werden, wodurch ein zweiter Nutzungszyklus und ein recyclinggerechtes Gesamtsystem entstehen.
Fazit: Buchenholz kann die Rohstoffbasis für Holzfaserdämmstoffe sinnvoll erweitern und der Bauwirtschaft eine nachhaltige, recyclingfähige Alternative bieten. Gleichzeitig eröffnet es eine hochwertige Verwertungsmöglichkeit für künftig anfallende Buchenholzmengen im Zuge des klimabedingten Waldumbaus.
(Autor: Paul Deder)
