Deutschland steckt in einer doppelten Bildungskrise: Einerseits fehlen Milliarden für die Sanierung und den Neubau von Schulen, andererseits steigen die Schülerzahlen seit einigen Jahren wieder deutlich an. Das 2025 beschlossene Sondervermögen ist derzeit nur bedingt eine Hilfe. Zwar werden Schulen ausdrücklich als Investitionsfeld genannt, ein eigenständiges Schulbauprogramm ist das Sondervermögen jedoch nicht. Die Mittel sollen u. a. auch in die Sanierung von Straßen, den Bau von Krankenhäusern sowie in die Modernisierung der digitalen Infrastruktur fließen. Gleichzeitig kommt bislang nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Gelder bei den Kommunen an. Kritiker bemängeln zudem, dass Bund und Länder Mittel teilweise nutzen, um reguläre Haushaltslücken zu schließen.
Der Handlungsdruck für die Kommunen ist entsprechend enorm. In vielen Schulgebäuden, die nicht selten 60 bis 70 Jahre alt sind, fehlen Fachräume, Mensen, moderne Haustechnik und digitale Infrastruktur. Der Sanierungs- und Investitionsstau wird inzwischen auf rund 68 Mrd. Euro geschätzt. Gleichzeitig wird bis 2035 mit zusätzlich etwa 760.000 Lernenden gerechnet. Und das, obwohl bereits die heutigen rund 11,5 Mio. Schüler mancherorts in Provisorien oder sogar Turnhallen unterrichtet werden.
Um schnell und kosteneffizient zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, setzen Kommunen auf serielles Bauen. Bei der Modulbauweise werden standardisierte Bauteile wie Wände, Decken oder Fassadenelemente industriell vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle zu vollständigen Gebäudeeinheiten montiert. Dadurch lassen sich Planungs- und Bauzeiten deutlich verkürzen. Gleichzeitig wird der laufende Schulbetrieb beim Ausbau bestehender Bildungseinrichtungen wesentlich geringer beeinträchtigt. Ein weiterer Vorteil liegt in der hohen Flexibilität der Bauweise: Vorgefertigte Module können je nach Bedarf erweitert, umgebaut oder zurückgebaut werden. Städte und Gemeinden erhalten so die Möglichkeit, schneller und gezielter auf steigende oder sinkende Schülerzahlen zu reagieren.
Allerdings gibt es auch Kritik an dieser Bauweise. So warnen manche Architekten vor „Einheitsschulen von der Stange“. Zudem stößt die gewünschte Standardisierung insbesondere bei schwierigen Grundstückszuschnitten oder komplexen innerstädtischen Lagen an ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass der Zeitvorteil beim Planen und Bauen häufig durch weiterhin langsame und komplexe Genehmigungsprozesse relativiert wird. Unterschiedliche Landesbauordnungen erschweren derzeit Typen- und Modulbauten. Ein bundesweit abgestimmter Rahmen für seriellen Schulbau, flexiblere Projektabwicklungen sowie gezielte Schulungen für Bauämter könnten dazu beitragen, Genehmigungen künftig innerhalb weniger Monate zu ermöglichen.
Ein aktueller Trendreport von Drees & Sommer analysiert die Ausgangslage umfassend und untermauert sie mit Zahlen, Daten und Fakten. Das Fazit des Beratungsunternehmens: Serieller Schulbau ist ein strategisches Zukunftsmodell, um den steigenden Bedarf an Bildungsinfrastruktur schnell, qualitativ hochwertig und zu vertretbaren Kosten zu decken. "Durch serielles Bauen bleiben die Kosten niedrig, weil sich die Prozesse wiederholen, Materialien effizient genutzt werden und Lieferketten stabil bleiben", sagt Daniel Hof, Experte für serielles Bauen bei Drees & Sommer.
(Autor: Paul Deder)
