Mauern ohne Hilfsgeräte wie Versetzkrane kann für Facharbeiter auf der Baustelle äußerst ermüdend sein. Doch selbst mit maschineller Unterstützung bleibt die Produktivität im Vergleich zur industriellen Fertigung in der Fabrik verbesserungswürdig. Hinzu kommt: Fachpersonal ist auf Baustellen heute Mangelware, denn körperlich schwere und monotone Arbeiten unter freiem Himmel schrecken viele potenzielle Arbeitskräfte ab. Aus diesem Grund hält die Robotik zunehmend Einzug auf der Baustelle. Viel Potenzial bietet dabei ein Seilroboter, der in der Lage ist, eigenständig Mauern zu errichten. Anfang des Jahres wurde diese Technologie Vertretern aus Politik und Presse präsentiert.
Entwickelt wurde die zugrunde liegende Technik am Lehrstuhl für Mechatronik der Universität Duisburg-Essen (UDE) unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Dieter Schramm. Das Institut für Baubetrieb und Baumanagement (IBB) unter Prof. Dr.-Ing. Alexander Malkwitz brachte seine baubetriebliche Expertise ein. Unterstützt wurde das Projekt außerdem durch die Forschungsvereinigung Kalk-Sand e.V. sowie das Institut für Angewandte Bauforschung Weimar GmbH.
Der Seilroboter besteht aus einer zentralen Plattform, die an mehreren Seilen befestigt ist. Diese Seile wiederum sind an einem überdimensionalen Stahlrahmen verankert. Ähnlich wie eine Stadionkamera lässt sich der Roboter dreidimensional im Raum bewegen – schnell, präzise und raumdeckend. Die Steuerung erfolgt computergestützt über das digitale Bauwerksmodell BIM.
Da sich das System an unterschiedliche Grundrisse und Höhen anpassen lässt, ist es vielseitig einsetzbar. Auch verschiedene Aufgaben – wie das Mauern, der gezielte Mörtelauftrag oder Montagearbeiten – sollen durch einen Werkzeugwechsel ermöglicht werden. In der praktischen Anwendung könnte der Roboter eigenständig Steine verschiedener Formate vom Lagerplatz holen, sie vollautomatisch verlegen und anschließend Deckenelemente positionieren.
Durch den Einsatz dieses Roboters können Bauunternehmen nicht nur Personalkosten senken, sondern auch größere Bauvolumina effizient bewältigen, da der Roboter schnell und exakt arbeitet. Gleichzeitig würde das vorhandene Fachpersonal von körperlich belastenden und eintönigen Aufgaben entlastet.
Mittelfristig soll die Technologie im realen Baustelleneinsatz seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Damit diese Innovation in der Praxis eine Chance hat, müssen laut Robotikforscher Prof. Dr.-Ing. Tobias Bruckmann alle Bau-Akteure an einem Strang ziehen: „Von der Planung bis zur Ausführung müssen alle am Bau Beteiligten – aus Architektur, Planung, Baustoffherstellung und -lieferung bis hin zur automatisierten Errichtung von Bauwerken – die Transformation zur Digitalisierung der Branche mitgestalten.“
(Autor: Paul Deder)
