Mit einer Best-Practice-Baustelle im kommunalen Tief- und Straßenbau demonstrierte die Bauwirtschaft Baden-Württemberg, wie durchgängige Digitalisierung entlang der gesamten Prozesskette bereits heute funktionieren kann. Auf Einladung des Verbands informierte sich Innenminister Thomas Strobl MdL am 27. Februar 2026 in St. Johann-Bleichstetten über konkrete Anwendungen digitaler Planung, Bauausführung und Dokumentation. Im Mittelpunkt des Vor-Ort-Termins stand die Frage, wie modellbasierte Prozesse im kommunalen Bauwesen praxisnah umgesetzt, skaliert und künftig flächendeckend etabliert werden können.
Vorgestellt wurde eine Best-Practice-Baustelle, die den gesamten Bauprozess – von der Kalkulation über die modellbasierte Planung und zentrale Datenhaltung in der Cloud bis hin zur digitalen Bauausführung, Dokumentation und Abrechnung – medienbruchfrei abbildet. Anhand eines kompakten Praxisabrisses wurde gezeigt, wie digitale Daten für die Baustelle vorbereitet, im Bagger und mit dem Rover eingesetzt werden und wie einfach sich damit arbeiten und dokumentieren lässt. Die Maßnahme umfasst alle Gewerke von Kanal-, Wasser-, Breitband- und Stromleitungsbau bis zum Straßenbau und hat ein Projektvolumen von rund 2,3 Mio. Euro.
Durchgängiger Datenworkflow als Grundlage moderner Bauprozesse
Im Fokus des Termins stand insbesondere der durchgängige Datenworkflow: Digitale Geländemodelle dienen als gemeinsame Datengrundlage für Planung und Ausführung. Der Baufortschritt wird direkt auf der Baustelle digital erfasst und in ein As-built-Modell überführt, das dem Auftraggeber als strukturierte Datengrundlage für Bewirtschaftung, Unterhaltung und zukünftige Maßnahmen zur Verfügung steht.
Von der Kalkulation über die Ausführung bis zur Abrechnung und Übergabe ins GIS wurde der geschlossene Datenkreislauf nachvollziehbar dargestellt – inklusive der langfristigen Sicherung strukturierter Bestandsdaten.
Die Best-Practice-Baustelle ist das Ergebnis mehrjähriger Pilot- und Entwicklungsprojekte und wurde von der Bauwirtschaft als Referenzprojekt mit Modellcharakter ausgewählt. Sie zeigt, wie Digitalisierung im Tiefbau nicht punktuell, sondern als durchgängiger Prozess umgesetzt werden kann. Zugleich liefert sie Impulse für Standards, Qualifizierung und eine koordinierte Umsetzung in weiteren Kommunen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie einfach diese Prozesse heute bereits funktionieren können – wenn sie konsequent angewendet werden.
Digitalisierung muss konkret umgesetzt werden
Minister Strobl betonte, dass Baden-Württemberg seine Rolle als führende Innovationsregion in Europa nur sichern könne, wenn Digitalisierung nicht abstrakt bleibe, sondern konkret umgesetzt werde. Es ginge darum, Digitalisierung im wahrsten Sinne des Wortes „auf die Straße zu bringen“ – Bauprozesse transparenter, wirtschaftlicher und mit weniger personellem Aufwand zu gestalten.
Entscheidend sei das „Machen“: Innovationen müssten praktikabel, sichtbar und wirksam sein. Die vorgestellte Baustelle stehe exemplarisch für die Innovationskraft im Land – getragen von Unternehmen wie der MTS Schrode AG, die nicht ohne Grund zu den innovativsten Unternehmen in Deutschland zähle.
Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg unterstrich, dass durchgängige Digitalisierung kein Selbstzweck sei, sondern ein längst überfälliger Hebel zur Bewältigung der zentralen Herausforderungen im kommunalen Bauwesen. Referenzprojekte wie die vorgestellte Baustelle seien wichtig, um bereits heute bestehende und funktionierende Lösungen zur Digitalisierung im Realbetrieb erlebbar zu machen und Standards nicht abstrakt, sondern praxisnah weiterzuentwickeln.
„Gleichzeitig braucht es klare Leitplanken und einheitliche Rahmenbedingungen seitens des Landes, um einen Flickenteppich aus Insellösungen zu vermeiden und Kommunen konkrete Hilfestellungen an die Hand zu geben – mit dem Ziel, Digitalisierung so zu gestalten, dass alle am Bauprozess Beteiligten einen echten Mehrwert daraus ziehen können“, so Rainer Mang von der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.
Impulse für Kommunen und digitale Bauprozesse
MTS-Vorstandsvorsitzender Rainer Schrode machte deutlich, dass das Entscheidende nicht in der Theorie liege, sondern in der Umsetzung: Digitalisierung funktioniere bereits heute – sie müsse nur angewendet werden. Ausschlaggebend sei, bereits in der Beauftragung digitale 3D-Modelle vorzusehen, um über die gesamte Bauphase hinweg produktiver arbeiten und langfristig strukturierte Daten sichern zu können. Der Appell lautet daher: nicht warten, sondern machen – denn das technisch Mögliche ist längst Realität.
Im Anschluss an den Termin überreichten die Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V. und das BIM-Cluster Baden-Württemberg e.V. Minister Strobl das gemeinsame Positionspapier „Durchgängig Digital“. Ziel ist es, das Land dafür zu gewinnen, Kommunen aktiv bei der schrittweisen Einführung von BIM zu unterstützen – um Genehmigungs-, Planungs- und Bauprozesse spürbar zu beschleunigen, Baukosten zu senken, die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu verbessern, Bürokratie durch digitale und parallele Prüfprozesse abzubauen sowie Nachhaltigkeit und Lebenszyklusbetrachtungen systematisch zu stärken.
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