Montag, 17. August 2026

Allensbach-Studie: Zwischen Baubedarf und Krisenstimmung

Die Bauwirtschaft bleibt für die Bevölkerung eine der wichtigsten Branchen Deutschlands, verliert angesichts der wirtschaftlichen Flaute jedoch an Ansehen. Gleichzeitig wächst die persönliche Betroffenheit über marode Verkehrsinfrastruktur und fehlenden Wohnraum – und damit der Handlungsdruck auf Politik und Bauwirtschaft. Die aktuelle Allensbach-Studie im Auftrag der Bauindustrie zeigt allerdings, dass die Mehrheit kaum mit spürbaren Verbesserungen in den kommenden Jahren rechnet. Umso wichtiger sind entschlossene Investitionen, aber auch neue Impulse der Branche selbst, um ihre Bedeutung und Attraktivität für die nächste Generation sichtbar zu machen.

Die Situation am ist herausfordernd: Obwohl der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum unverändert hoch ist, stagniert der Wohnungsbau. Gleichzeitig wächst die Hoffnung, dass sich die Situation in diesem und den kommenden Jahren spürbar verbessern könnte. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem das milliardenschwere Infrastrukturprogramm der Bundesregierung, das wieder Bewegung in den Wohnungs- und Infrastrukturbau bringen soll. Branchenweit
wird bereits für 2026 ein moderates Wachstum erwartet.

Mit Blick auf die Umsetzung des milliardenschweren Infrastrukturprogramms rückt eine weitere Herausforderung der Branche noch stärker in den Vordergrund: der Fachkräftemangel. Steigt die Bautätigkeit spürbar an, braucht die Branche schnell zusätzliches, qualifiziertes Personal – vom gewerblichen Bereich über Planung und Bauleitung bis zur digitalen Bauprojektsteuerung.

Um mehr darüber zu erfahren, wie unter diesen konjunkturellen Rahmenbedingungen das Image der Bauwirtschaft derzeit wahrgenommen wird und als wie attraktiv die Branche als Arbeitgeber, beauftragte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie das Institut für Demoskopie Allensbach mit einer bevölkerungsrepräsentativen Untersuchung zu diesen Themen. 

Die aktuelle Untersuchung stützt sich auf insgesamt 1.057 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahre. Die Interviews wurden zwischen dem 23. März und 9. April 2026 mündlich-persönlich (face-to-face) durchgeführt. 

Bedeutung der Bauwirtschaft

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche steht für die Mehrheit der Bevölkerung außer Frage: Rund zwei Drittel rechnen die Bauwirtschaft zu den fünf Branchen, die für die deutsche Wirtschaft besonders wichtig sind. Damit liegt der Anteil unter dem Spitzenniveau von 2024 (74 %), er liegt mit 65 % aber immer noch deutlich über dem Niveau früherer Jahre.

Im Ranking hat die Bauwirtschaft damit leicht verloren: Sie steht nun auf Platz 5 (2024: Platz 3). Die Autohersteller stehen nach wie vor auf Platz 1, gefolgt vom Handwerk. An Bedeutung gewonnen haben die Maschinenbauindustrie (Platz 3) und die Energieversorger (Platz 4).

Zustand der Infrastruktur

Dass die Kritik der Bevölkerung am Zustand der Infrastruktur wächst, hat auch damit zu tun, dass weite Teile der Bevölkerung mittlerweile von den Mängeln in der Verkehrsinfrastruktur persönlich betroffen sind: 35 % der Bevölkerung gaben an, dass sie vom schlechten Zustand der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland sehr stark oder stark betroffen seien. Nur 17 % belasten die Probleme bei der Verkehrsinfrastruktur nicht.

Hinsichtlich des Mangels an Wohnraum ist die persönliche Betroffenheit nicht so weit verbreitet, wie es der Stellenwert in der politischen Agenda der Bevölkerung vermuten ließe. 11 % sind persönlich (sehr) stark vom Wohnungsmangel betroffen, zwei Drittel betrifft der Wohnungsmangel gar nicht. Dieser vermeintlich geringe Anteil darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser auf die Gesamtbevölkerung gesehen repräsentativ für über neun Millionen Menschen steht. Zudem sind fast ausschließlich Personen in Ballungsräumen betroffen, wodurch die persönliche Betroffenheit von jedem Zehnten u. E. sehr hoch ist.

Die Bevölkerung glaubt nicht daran, dass es in den kommenden Jahren zu erkennbaren Fortschritten kommen wird: Nur 16 % erwarten dies für die Infrastruktur und lediglich 8 % für das Angebot an Wohnraum. Knapp zwei Drittel zeigen sich hingegen skeptisch, dass es zu Fortschritten beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur kommen wird, drei Viertel, dass das Angebot an Wohnraum in den nächsten Jahren deutlich besser wird. Diese Aussagen sind umso beachtenswerter, da vor dem Hintergrund dieser Dramatik das Sondervermögen beschlossen wurde.

Hier geht es zur Studie: https://www.bauindustrie.de/allensbach_studie_2026

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