Freitag, 20. Juni 2025

GLT-Mitgliederversammlung im Zeichen der Infrastrukturwende

Im Rahmen ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung hat die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e.V. (GLT) zentrale Themen der Branche diskutiert und Position zu aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen bezogen. Rund 120 Teilnehmer kamen am 16. Mai 2025 in Berlin zusammen, um über politische Rahmenbedingungen, die Bedeutung des Leitungstiefbaus für den Infrastrukturausbau sowie über Initiativen zur Qualitätssicherung und Digitalisierung zu sprechen.

Mit dem Beginn der neuen Legislaturperiode und dem angekündigten Sondervermögen für Infrastruktur von 500 Mrd. Euro stehe der Leitungsbau nun vor vielen anspruchsvollen Aufgaben und großen Herausforderungen. „Dies bedeutet aber auch eine gute Geschäftsentwicklung für unsere Branche“, betonte GLT-Präsident Matthias Fiedler. „Denn WIR bauen die nötige Infrastruktur und die Netze, die dieses Land nun benötigt. Das Geld ist da, die Bürokratie soll verkürzt werden und unsere Branche verfügt über die notwendigen Kapazitäten. Das ist eine hervorragende Ausgangsposition“, so Fiedler optimistisch.

Die Mitgliedsunternehmen stünden im Zentrum zahlreicher politisch definierter Wenden. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Anbindung von Offshore- und Onshore-Windparks sowie unzähliger dezentraler Photovoltaikanlagen – all das treibe die Energiewende voran. "Und wir wissen: Sie findet im Verteilnetz statt – unserem Kerngebiet“, unterstrich Fiedler. Ebenso sei der flächendeckende Breitbandausbau ein zentraler Baustein für die Digitalisierung des Landes. Auch wenn das Thema bei einigen GLT-Mitgliedsunternehmen aktuell rückläufig sei, blieben doch immer noch viele Unternehmen hier engagiert. „Wir hoffen, dass der politische Wille, die großen Infrastruktur-Projekte umzusetzen, und ein klares Bekenntnis zu Qualität im Leitungstiefbau sich zukünftig nicht mehr im Widerspruch zueinander befinden. Denn wenn wir diese Aufträge generationengerecht umsetzen wollen, geht das nur mit Qualität. Qualität geht vor Geschwindigkeit.“

Milliarden für den Wandel

Dass sich die Gesellschaft und mit ihr die Baubranche zum Beginn der neuen Legislaturperiode an einer historischen Weggabelung befindet, die zu einem Wende- und Startpunkt für einen zukunftsfähigen Ausbau unserer Infrastruktur erwachsen muss, darüber herrscht vielerorts Konsens – so auch auf der GLT-Mitgliederversammlung. Hieraus resultiere jedoch der Umstand, – so Fiedler – dass sich die Arbeit des Leitungstiefbaus bereits seit geraumer Zeit unter einem zunehmenden politischen Druck befände. Und auch wenn Milliardensummen in Aussucht gestellt seien, würden doch immer wieder politische Rahmenbedingungen modifiziert, Fristen und Ziele verschoben. Dies müsse ein Ende haben! „Ich wünsche uns als Branche, dass wir in vollem Maße von den Milliarden aus dem Sondervermögen profitieren – und zwar im Sinne einer echten Qualitätssteigerung bei der Beschleunigung des Netzumbaus, beim flächendeckenden Ausbau von Breitband, bei der Umsetzung der Wasserstoff-Initiative sowie beim Bau der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Trassen. Gleichzeitig wünsche ich uns als Gesellschaft, dass dieses viele Geld mit Maß und Anstand eingesetzt wird – verantwortungsbewusst und zielgerichtet“, lautete Fiedlers beherzter Appell. Der Leitungstiefbau stehe mit ausgebildetem Personal, modernem Gerätepark und einem Gütezeichen, das seinesgleichen im Markt sucht, bereit, sich diesen vielen Herausforderungen zu stellen.

Transparenz schaffen, Qualität sichern

Schon seit langer Zeit setzt sich die GLT mit Nachdruck dafür ein, die unzureichende Dokumentation leitungsgebundener unterirdischer Infrastrukturen objektiv zu verbessern und damit den Infrastrukturausbau in Deutschland günstiger, sicherer und nachhaltiger zu gestalten. Denn – egal, ob Glasfaser, erneuerbare Energien oder Ladeinfrastruktur – alle wettbewerblich betriebenen Leitungen bereiten aktuell bei der Planauskunft große Schwierigkeiten, da sie häufig gar nicht oder nur unzureichend dokumentiert sind. „Deshalb haben wir erneut die Forderung nach einem vollständigen Betreiberregister bekräftigt“, erläuterte Fiedler den Hintergrund des Engagements. Gemeinsam mit dem Rohrleitungsbauverband (rbv) und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sei man sich einig, dass man zukünftig nicht mehr von einem Kataster sprechen wolle, da dieser Begriff mit einem Übermaß an Bürokratie und analogen Prozessen konnotiert sei. Die Bezeichnung Betreiberregister passe nach Einschätzung aller drei Organisationen besser zu einer zunehmenden Digitalisierung der Prozesse des Leitungsbaus. Eine erste entscheidende Hürde sei genommen, wenn eine vollständige Übersicht aller Betreiber, die in einer Straße aktiv sind, vorläge. Darauf aufbauend könnte dann in einem zweiten Schritt die genaue Lage der Leitungen erfasst werden. 

Die GLT repräsentiert etwa ein Viertel der Kabelleitungsbauer in Deutschland. Zugleich erkennen immer mehr Auftraggeber den Wert des Gütezeichens RAL-GZ 962 als ein Instrument zur Sicherung und Förderung von Bauqualität und berücksichtigen es zunehmend in ihren Ausschreibungen und Verträgen. Und der Erwerb des Gütezeichens lohnt sich in mehrerlei Hinsicht, dies geht aus der aktuellen GLT-Mitgliederumfrage 2024 hervor: mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gaben an, dass sich die Qualität im Unternehmen durch die Eigenüberwachung verbessert habe. Bei 55 % der Unternehmen hat das RAL-GZ 962 einen Einfluss bei Ausschreibung und Vergabe. Und ein deutliches Indiz dafür, dass das Gütezeichen auch in der Branche bei den bauausführenden Unternehmen höchste Anerkennung genießt, ist der Umfragewert von 75 % der befragten Unternehmen, die angaben, mit dem RAL-Gütesiegel aktiv zu werben. 

Digitale Werkzeuge, starke Stimme

Auch in Hinblick auf die Entwicklung von Tools und Services hat die GLT in den letzten Jahren gleich mehrere Erfolgsstorys auf den Weg gebracht. Hierzu zählt – neben einem umfangreichen Fortbildungsangebot – ebenfalls das vor drei Jahren vorgestellte Kabelzugberechnungsprogramm. Dieses erfreut sich zunehmender Beliebtheit, weil mit jeder neuen Version weitere Kabeltypen integriert werden. Ähnlich positiv entwickelt sich die Eigenüberwachungs-App, die im vergangenen Jahr vorgestellt wurde. Hier geht der Weg weg vom Papier, hin zu mehr Digitalisierung auf der Baustelle. Aber die mit Abstand charmanteste Service-Offensive des Leitungsbaus ist und bleibt ein kleines Buch. Die erste Auflage des Pixi-Buches „Meine Schwester ist Leitungstiefbauerin“ von 60.000 Exemplaren war bereits im Sommer des vergangenen Jahres vergriffen. Mittlerweile sind 120.000 Stück im Umlauf.

Auch auf den wichtigsten Branchenveranstaltungen ist die Expertise des Leitungstiefbaus stets gefragt. Deshalb hat die GLT im vergangenen Jahr selbstverständlich wieder auf zahlreichen wichtigen Veranstaltungen Flagge gezeigt und Impulse gesetzt. Ein Herzensthema in diesem Kontext war die Ladeinfrastruktur – denn hier entscheidet sich, ob die Mobilitätswende gelingt. Auf der großen Ladeinfrastruktur-Konferenz, die auf Initiative des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr im Juni in Berlin stattfand, standen die Weichen auf Zukunft. „Der Ausbau der Ladeinfrastruktur – auch dies geht aus unserer jüngsten Mitgliederbefragung hervor – ist ein wichtiges Tätigkeitsfeld für unsere Mitgliedsunternehmen“, betonte Fiedler in diesem Zusammenhang. „Für die Ausschreibungen des Deutschland-Netzes Ladeinfrastruktur sind rund 2,3 Mrd. Euro veranschlagt. Darüber hinaus wurden auf der Konferenz neue Ideen wie das bidirektionale Laden diskutiert, bei dem E-Autos selbst zu Stromspeichern werden sollen. Rund um die intensiven Debatten über Fördermittel, privatwirtschaftliche Initiativen und über die nötigen Rahmenbedingungen haben wir klar Position bezogen: Der Leitungstiefbau steht bereit. Wir wollen nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitgestalten – für eine nachhaltige, verlässliche und leistungsfähige Infrastruktur, die den Wandel erst möglich mach“, so Fiedler. Darüber hinaus war die GLT auf einer Vielzahl weiterer wichtiger Branchenveranstaltungen mit Vorträgen und Diskussionsbeiträgen präsent. 

Der Güteausschuss und das Ehrenamt im Fokus

Er ist weit mehr als ein Prüfgremium: Der Güteausschuss ist ein Herzstück der GLT-Gemeinschaft, wo Prüfberichte bewertet, aber auch Impulse für fachliche Weiterentwicklungen gesetzt werden. In diesem Jahr standen 124 Kontrollprüfungen und 14 Erstprüfungen auf der Agenda. „Wir sind ein tolles Team aus Auftraggebern, Tiefbauern und Gutachtern – mit unterschiedlichen Blickwinkeln, aber einem gemeinsamen Ziel: Am Ende jeder Sitzung steht ein Konsens“, so Geschäftsführerin Hake und gleichzeitig Obmann des Güteausschusses. Aus dem Gremium verabschiedet wurde nach zehnjähriger engagierter Tätigkeit Dieter Dornbusch. Mit Manfred Aßmann von der Kneip Leitungsbau und Infrastrukturtechnik GmbH und dem neuen Gutachter Andreas Kersten aus Burg bei Magdeburg bekommt der Ausschuss frische Verstärkung.

Der mit Abstand bewegendste Moment der GLT-Mitgliederversammlung war die Verabschiedung von Karl Jelinski. Nach 48 Berufsjahren bei Leonhard Weiss und 15 Jahren Engagement im GLT-Präsidium verabschiedet er sich in den wohlverdienten Ruhestand. „Lieber Karl, seit langen Jahren bringst Du Dich mit großem Engagement in die Arbeit des Präsidiums ein – erst als Mitglied, ab 2019 als Vizepräsident, zunächst an der Seite unseres Ehrenpräsidenten Willi Thomsen, und in den vergangenen zwei Jahren an meiner Seite. Es ist mir ein persönliches Anliegen, Dir heute Danke zu sagen“, betonte Fiedler. Mit Blick auf diese außerordentlichen Verdienste hat das Präsidium in seiner jüngsten Sitzung im März beschlossen, Karl Jelinski zum GLT-Ehrenmitglied zu ernennen. Als Nachfolger von Jelinski wurde Dietmar Luck, ebenfalls von der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG aus Göppingen, neu ins Präsidium gewählt.

Die nächste GLT-Mitgliederversammlung findet am 17. April 2026 am Chiemsee statt.

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