Dienstag, 7. April 2026

Mehr Tempo und Spielraum für Kommunen

Mit dem „Baugesetzbuch-Upgrade“ läutet das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen eine umfassende Reform des Städtebau- und Raumordnungsrechts ein. Der jetzt in die Länder- und Verbändeanhörung gegebene Gesetzentwurf soll Kommunen mehr Handlungsspielraum bei der Schaffung von Wohnraum, der digitalen Planung und der Klimaanpassung eröffnen. Ziel ist eine moderne, beschleunigte und sozial ausgewogene Stadtentwicklung, die den Wohnungsbau priorisiert, ökologische Belange wahrt und lebenswerte Nachbarschaften stärkt.

Im Koalitionsvertrag wurde eine umfassende Novellierung des Planungsrechts vereinbart. Dabei geht es um die Frage, wie in Städten und Gemeinden zusätzlicher Wohnraum entstehen kann. Wie nachverdichtet werden kann, ohne dabei Lebensqualität und Umwelt zu beeinträchtigen. Wie Gewerbe, Kultur und Wohnen zusammengehen. Und entgegenstehende Interessen wieder besser in Einklang gebracht werden. 

Dazu erklärt Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: „Das Baugesetzbuch steckt den Rahmen für unser Zusammenleben. Es hat Einfluss auf die Frage nach gutem Wohnraum, sicheren Orten und einer lebendigen Nachbarschaft. Die Kommunen setzen es um und wir wollen mit dem ‘Baugesetzbuch-Upgrade’ diese Aufgabe erleichtern. Dabei haben wir ein klares Ziel gesetzt: mit mehr Priorität für den Wohnungsbau, weg mit Hindernissen bei der Digitalisierung und echte Handlungsmacht bei der Bekämpfung von Schrottimmobilien. Das sind die Herausforderungen, mit denen unsere Kommunen und damit auch die Bürgerinnen und Bürger kämpfen. Das Baugesetzbuch-Upgrade gibt Rückenwind für die kommunale Planung und wird ein Instrumentenkoffer für Klimaanpassungen, beschleunigtes Bauen und mehr Wohnraum.”

Wichtige Neuerungen im Überblick:

  • Vorrang für mehr Wohnraum: Kommunen können in angespannten Märkten ein „überragendes öffentliches Interesse“ für Wohnungsbau aktivieren. Hierzu müssen sie im Aufstellungsbeschluss den Bebauungsplan als Plan zur Deckung eines dringenden Wohnbedarfs bezeichnen. Zusätzlich kann eine überörtlich koordinierte Flächenausweisung in den regionalen Raumordnungsplänen helfen, kommunale Wohnbauflächen auszuweisen, indem den Gemeinden dort vorgegeben werden kann, dass sie die kommunalen Bauleitpläne entsprechend anzupassen haben.  
  • Vorkaufsrechte zur Sicherung lebendiger Nachbarschaften: Wo heute Schrottimmobilien nicht nur dem Stadtbild, sondern auch dem Wohnungsmarkt schaden, können die Kommunen durch Vorkaufsrechte besser ein- und durchgreifen, in letzter Konsequenz auch mit dem Instrument der Enteignung. Durch erweiterte Vorkaufsrechte sollen künftig Milieuschutzgebiete geschützt werden können, damit lebendige Nachbarschaften erhalten bleiben, wenn profitorientierter Ausverkauf oder Luxussanierung drohen.
  • Umweltprüfungen werden einfacher und belastbarer. So erhalten naturschutzrechtliche Gutachten künftig für den Regelfall eine Bestandskraft von fünf Jahren, was Planungsprozesse deutlich beschleunigt. Darüber hinaus muss es einen realistischen Blick darauf geben, das berechtigte Interesse am Grundbedürfnis Wohnen mit dem Umweltschutz zu vereinen. Wir setzen den Fokus auf Beschleunigung, nicht auf die Absenkung von Schutz. Im Bauleitplanverfahren werden im Regelfall nur noch die weniger detaillierten Anforderungen der Strategischen Umweltprüfung berücksichtigt. Zusätzlich werden die Schwellenwerte des beschleunigten Verfahrens ohne Umweltprüfung für die Innenentwicklung von 20.000 auf 30.000 qm versiegelter Fläche angehoben. Damit erhalten die Kommunen bei der Planung ihrer Innenentwicklung erheblich mehr Handlungsmöglichkeiten als bisher.
  • Digitalisierung & Transparenz: Für Planungsverfahren nach dem BauGB wird eine ausschließlich digitale Durchführung geregelt. Damit Planungsprozesse planbarer und Erfolge sichtbarer werden, werden bundeseinheitliche Fristen und damit ein Planungstakt, beispielsweise für Behördenstellungnahmen und die Veröffentlichung von Planentwürfen, eingeführt. Insgesamt ist angestrebt, dass der Prozess zur Aufstellung eines Bauleitplans maximal zwei Jahre dauert. Für zusätzliche Transparenz soll eine „Verfahrensampel“ sorgen, die den Fortschritt von Bauleitplanverfahren dokumentiert.
  • Mehr Wohnraum durch multifunktionale Nutzung: Die multifunktionale Flächennutzung soll künftig von Anfang an mitgedacht werden: Wo vorher nur ein Supermarkt errichtet werden sollte, soll z. B. auch Energie produziert werden können.
  • Serielles und modulares Bauen: Diese Bauformen skalieren wir bundesweit, indem wir den Vollgeschossbegriff vereinheitlichen.
  • Förderung der Klimaresilienz: Wir wollen die Planung von natürlichen Schutzflächen erleichtern und durch mehr Bäume und Grünflächen den Hitzeschutz verbessern.
  • Blaulichtfamilie stärken:Feuerwehren und Rettungsdienste sind von elementarer Bedeutung für unser Gemeinwesen. Mit einer Begünstigung im Außenbereich erleichtern wir den Kommunen, die Wahl des optimalen Standortes zu treffen, um alle Einsatzorte schnell zu erreichen, und auch neuen Anforderungen gerecht zu werden. 

"Das Baugesetzbuch-Upgrade gibt unseren Kommunen die richtigen Werkzeuge und den nötigen Push, um zukunftsfähig und schnell zu planen“, sagt Verena Hubertz weiter. „Unser Ziel ist nicht nur, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, sondern auch lebendige, nachhaltige und vielfältige Gemeinschaften zu fördern. Wir wollen Orte schaffen, an denen sich Menschen wirklich zuhause fühlen und unsere Städte und Gemeinden als attraktive, lebendige Lebensräume für alle erhalten bleiben.“ 

Der Gesetzentwurf soll nach dem Abschluss der Länder- und Verbändeanhörung ins Kabinett eingebracht werden. Der Kabinettsbeschluss ist, vorbehaltlich der Zustimmung beteiligter Ressorts, noch vor der parlamentarischen Sommerpause vorgesehen.

Weitere Artikel:

13. Mai 2026
Kinshofer
Kinshofer übernimmt Mehrheit an Boscaro
Kinshofer
Die Kinshofer Gruppe - seit über 55 Jahren ein führender Hersteller von Anbaugeräten für Lkw- und Turmdrehkrane, Bagger und Kompaktlader - baut ihre Position im internationalen Anbaugeräte-Markt weiter aus. Sie setzt ihren Expansionskurs mit einem strategisch wichtigen Schritt fort: Mit der Mehrheitsbeteiligung am italienischen Spezialisten Boscaro stärkt das Unternehmen gezielt sein Portfolio in der Materialhandhabung sowie seine Präsenz in zentralen europäischen Märkten.
12. Mai 2026
HKL
Vier neue Center: HKL startet wachstumsstark ins Jahr
HKL
HKL setzt seinen Wachstumskurs auch 2026 konsequent fort: Allein im ersten Quartal hat der Baumaschinenvermieter vier neue Center eröffnet und zugleich in den Ausbau von Sortiment und Service investiert. Mit neuen Standorten, erweiterten Kapazitäten und einer klaren Ausrichtung auf Kundennähe stärkt das Unternehmen seine Marktpräsenz in verschiedenen Regionen Deutschlands.
11. Mai 2026
Wacker Neuson
Wacker Neuson startet mit starkem Wachstum ins Jahr 2026
Wacker Neuson
Die Wacker Neuson Group ist mit deutlichem Rückenwind in das Geschäftsjahr 2026 gestartet: Getragen von einer spürbar verbesserten Auftragslage und einer starken Nachfrage nach Kompaktmaschinen legte der Umsatz im ersten Quartal um rund 20 % auf 591 Mio. Euro zu. Gleichzeitig verbesserte sich die Ertragskraft deutlich – die EBIT-Marge stieg auf 7,0 % und lag damit signifikant über dem Vorjahresniveau. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bestätigt das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr.
08. Mai 2026
Bauindustrie
Olaf Demuth ist neuer Präsident der Bauindustrie
Bauindustrie
Olaf Demuth ist neuer Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: Die Mitgliederversammlung wählte den 63-jährigen Hamburger Diplom-Bauingenieur und Vorstand der Zech Group SE am 7. Mai einstimmig an die Spitze der Branchenvertretung. In seiner neuen Funktion repräsentiert Demuth eine der zentralen Schlüsselindustrien Deutschlands, die vor tiefgreifenden wirtschaftlichen und strukturellen Veränderungen steht.
07. Mai 2026
Kübler
Kübler: 70 Jahre Arbeitskleidung für Industrie und Handwerk
Kübler
Zum 70-jährigen Bestehen richtet Kübler den Blick auf die eigene Entwicklung ebenso wie auf aktuelle Anforderungen im Markt für Arbeits- und Schutzbekleidung. Das Familienunternehmen aus Plüderhausen hat sich über Jahrzehnte hinweg als verlässlicher Anbieter für Industrie, Handwerk und Dienstleistungsbranchen etabliert. Die Position im Markt basiert nicht nur auf technischer Kompetenz in der Produktentwicklung, sondern auch auf einem kontinuierlichen Austausch mit Fachhandel und Anwendern, durch den sich veränderte Anforderungen frühzeitig in konkrete Lösungen übersetzen lassen.
07. Mai 2026
Hansa-Flex
Hansa-Flex: Logistik wird eigenständig
Hansa-Flex
Die Logistik gewinnt bei Hansa-Flex weiter an strategischer Bedeutung: Vor dem Hintergrund eines globalen Niederlassungsnetzwerks in 43 Ländern wird der Bereich künftig eigenständig organisiert. Ziel ist es, den steigenden Anforderungen an Liefergeschwindigkeit, Transparenz und Effizienz in einem international agierenden Service- und Produktionsnetzwerk noch besser gerecht zu werden.
07. Mai 2026
BIP
Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich gestiegen
BIP
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im 1. Quartal 2026 gegenüber dem 4. Quartal 2025 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,3 % gestiegen, nachdem es bereits zum Jahresende 2025 zugenommen hatte (revidiert +0,2 % im 4. Quartal 2025 zum Vorquartal; bisher: +0,3 %). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben im 1. Quartal 2026 höher als im Vorquartal. Auch die Exporte nahmen den vorläufigen Erkenntnissen nach zu.
02. Mai 2026
BIG
BIG stärkt Interessenvertretung mit Beitritt zum bbi e.V.
BIG
Die Bauaufzugbranche hat sich mit der BIG Bauaufzug Interessen Gemeinschaft bereits eine gemeinsame Plattform geschaffen, um ihre Anliegen gebündelt zu vertreten. Mit dem Beitritt zum bbi e.V. erhält die Interessenvertretung nun eine neue organisatorische Basis, um den fachlichen Austausch zu stärken, gemeinsame Positionen weiterzuentwickeln und die Branche zukunftsorientiert aufzustellen.
01. Mai 2026
Volcano
Volcano: Neues Joint Venture für Puzzolane gestartet
Volcano
Die Heidelberg Materials Mineralik DE GmbH und die Aktiengesellschaft für Steinindustrie (Steinag) haben unter dem Namen Volcano GmbH & Co. KG eine neue Gesellschaft mit Fokus auf die Gewinnung, Aufbereitung und den Vertrieb natürlicher puzzolanischer Rohstoffe gegründet. Ziel des Joint Ventures ist es, puzzolanische Rohstoffe wie Tuff und Phonolith insbesondere für die Zementherstellung verfügbar zu machen und damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung von klinkerreduzierten Zementen zu leisten. Heidelberg Materials Mineralik und die Steinag halten jeweils 50 % der Anteile an der neuen Gesellschaft.