Die Herausforderungen für die deutsche Bauwirtschaft sind groß – und sie wachsen weiter. Roland Caillé, Leiter der maschinentechnischen Abteilung bei der Gottfried Stehnke Bauunternehmung GmbH & Co. KG und seit 2017 Vorstandsmitglied im VDBUM, formuliert in einem aktuellen Statement deutliche Worte. Aus Sicht des Branchenkenners braucht die Bauindustrie weniger Hürden – und mehr Rückhalt durch die Politik.
„Die Bauindustrie steht vor einer Vielzahl komplexer Herausforderungen“, so Caillé. Gemeint sind nicht nur technische Themen, sondern ebenso rechtliche und organisatorische Fragen, die den Fortschritt bremsen. „Trotz ihrer zentralen Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft“ gelinge es der Branche oft nicht, die dringend benötigte Dynamik zu entfalten.
Fachkräftemangel bleibt zentrales Problem
Besonders kritisch bewertet Caillé den anhaltenden Mangel an qualifiziertem Personal. „Die Branche leidet weiter unter dem erheblichen Rückgang an qualifizierten Arbeitskräften“, stellt er fest – mit weitreichenden Folgen für Bauzeiten, Qualität und Kosten. Neben demografischen Faktoren und der Konkurrenz um Arbeitskräfte sei auch das Image der Branche ein Thema: Die Arbeitsbedingungen erschweren vielerorts die Personalgewinnung.
Technik als Chance – wenn sie akzeptiert wird
Abhilfe schaffen könnten laut Caillé moderne Baumaschinen, Automatisierung und robotergestützte Verfahren. Sie erhöhen die Effizienz, entlasten die Fachkräfte und steigern die Sicherheit. Doch er warnt: „Die Integration dieser Technologien ist jedoch mit einem enormen Aufwand verbunden.“ Neben Investitionen in Technik sei auch Akzeptanz im Team sowie ein entsprechender Schulungsaufwand notwendig.
Belastung auf vielen Ebenen
Zusätzlich machen der Branche Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltauflagen und Bürokratie zu schaffen. Genehmigungsverfahren dauerten zu lange, Normen seien oft überreguliert – was nicht nur Kosten, sondern auch Unsicherheit erhöhe. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, betont Caillé mit Blick auf die Planungssicherheit für Bauherren und Investoren.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei der jüngst (in abgeschwächter Form) verhängte Ausschreibungsstopp der Autobahn GmbH. Für Caillé ein fatales Signal: „Dies steigert die Unsicherheit in vielen Unternehmen und kann sich negativ auf geplante Investitionen auswirken.“
Appell an die Politik: Unterstützen, nicht verunsichern
Caillé zeigt sich trotz der angespannten Lage konstruktiv – und hofft auf politisches Verantwortungsbewusstsein. „Die Politik sollte uns dabei unterstützen, dass es nicht noch mehr Herausforderungen werden!“ Entscheidend sei jetzt, dass die angekündigten Infrastrukturmittel rasch und unbürokratisch freigegeben werden – und nicht zur Stopfung anderer Haushaltslöcher missbraucht würden.
Sein Fazit: Viele Themen seien nicht neu – aber „wir sind nicht so weit, wie wir es sein müssten.“ Für ihn ist klar: Wenn die Branche ihren Beitrag zur Modernisierung des Landes leisten soll, braucht sie endlich verlässliche Rahmenbedingungen.
