Die Strabag AG hat am Standort Oberhausen den Umbau ihrer Bodenaufbereitungsanlage abgeschlossen und dabei den Einsatz elektrisch betriebener Baumaschinen unter realen Baustellenbedingungen erprobt. Durch die Erweiterung steigt die jährliche Verarbeitungskapazität von 120.000 auf 350.000 t, während wiederverwendete Baustoffe und Recyclingmaterialien die Grundlage für eine ressourcenschonende Neugestaltung bilden. Insgesamt 11 E-Baumaschinen waren an den Arbeiten beteiligt. Ein mobiler Batteriespeicher und der ergänzende Einsatz konventioneller, mit HVO100 betriebener Maschinen ermöglichten dabei einen praxisorientierten Hybridansatz für die teilelektrische Baustelle.
Auf dem rund 17.600 m² großen Gelände führte das Projektteam umfangreiche Rückbau-, Erd-, Tiefbau- und Asphaltierungsarbeiten durch und schuf neue Lagerkapazitäten. Zu Beginn der Arbeiten erfolgte der Rückbau bestehender Flächen der Bodenaufbereitung sowie Randwallanlagen mit einer Gesamtmenge von rund 20.000 t. Die Oberflächenbefestigungen wurden anschließend aufbereitet und als Recycling-Unterbau für die Neugestaltung der Flächen wiederverwendet. Damit setzt das Projekt konsequent auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im Baustellenbetrieb.
Im Zuge der Neugestaltung der Oberflächenentwässerung verlegte Strabag rund 128 m PVC-Rohrleitungen. Zwei Fertigteil-Betonschächte mit integrierten Lamellenklärern zur Reinigung des Oberflächenwassers wurden mithilfe eines elektrischen Autokrans versetzt. Darüber hinaus entstand eine rund 7.400 m² große Aufbereitungsfläche mit zweilagigem Asphaltaufbau auf einer Trag- und Frostschutzschicht aus Recyclingmaterialien.
18.000 t CO2 eingespar
Ein besonderer Fokus des Projekts lag auf der Integration elektrisch betriebener Großgeräte in den Baustellenalltag. Zum Einsatz kamen 11 E-Geräte unter anderem ein 25-Tonnen Bagger, ein Radlader, ein Autokran und ein Straßenfertiger. Um Lastspitzen abzufedern wurde ein mobiler Batteriespeicher mit einer Kapazität von 153 kWh installiert, der eine zuverlässige Versorgung der eingesetzten Maschinen mit grünem Strom sicherstellte.
Die Ergebnisse des Praxistests zeigen, dass insbesondere schwere elektrische Baumaschinen bereits heute ein Leistungsniveau erreichen, das mit konventionellen dieselbetriebenen Geräten vergleichbar ist. Die Kolleg:innen auf der Baustelle profitieren von reduzierten Geräuschemissionen sowie einer Verringerung der direkten Schadstoffemissionen. Rein rechnerisch konnten so rund 18.000 t CO2 eingespart werden. Die derzeit noch höheren Gerätekosten werden durch die niedrigen Betriebskosten teilweise kompensiert. Ein weiterer Vorteil: die Betriebs- und Wartungskosten fallen deutlich geringer aus als bei dieselbetriebenen Maschinen. So konnten auf der Baustelle in Oberhausen die Energiekosten um rund 90 % reduziert werden. Beim flächendeckenden Einsatz gibt es jedoch noch Herausforderungen zu bewältigen. Elektrisch betriebene Baumaschinen sind aktuell noch nicht überall und in jeder Größe verfügbar. Zudem sind die Möglichkeiten zum Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur auf den Baustellen je nach Einsatzort begrenzt.
Praxisorientierter Hybridansatz
Um die Baustelle in möglichst kurzer Zeit abwickeln zu können, setzte Strabag auf einen praxisorientierten Hybridansatz. Neben der elektrischen Baustellenkolonne kamen auch konventionelle Maschinen zum Einsatz, die vollständig mit dem erneuerbaren Kraftstoff HVO100 betrieben wurden. Auch die Fahrzeuge für Logistiktransporte betankte Strabag mit dem Dieselersatz.
„Wir bauen hier nicht nur eine Bodenaufbereitungsanlage – wir bauen Vorurteile ab. Mit der elektrischen Baustelle zeigen wir, dass Elektromobilität im Bauwesen bereits heute praxistauglich ist. Echte Erfahrungen auf der Baustelle überzeugen mehr als jede Theorie", sagt Robert Kucza, Nachhaltigkeits-Experte Strabag Direktion Nordrhein-Westfalen.
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