Donnerstag, 6. August 2026

Strabag erprobt Elektrifizierung im Realbetrieb

Die Strabag AG hat am Standort Oberhausen den Umbau ihrer Bodenaufbereitungsanlage abgeschlossen und dabei den Einsatz elektrisch betriebener Baumaschinen unter realen Baustellenbedingungen erprobt. Durch die Erweiterung steigt die jährliche Verarbeitungskapazität von 120.000 auf 350.000 t, während wiederverwendete Baustoffe und Recyclingmaterialien die Grundlage für eine ressourcenschonende Neugestaltung bilden. Insgesamt 11 E-Baumaschinen waren an den Arbeiten beteiligt. Ein mobiler Batteriespeicher und der ergänzende Einsatz konventioneller, mit HVO100 betriebener Maschinen ermöglichten dabei einen praxisorientierten Hybridansatz für die teilelektrische Baustelle.

Auf dem rund 17.600 m² großen Gelände führte das Projektteam umfangreiche Rückbau-, Erd-, Tiefbau- und Asphaltierungsarbeiten durch und schuf neue Lagerkapazitäten. Zu Beginn der Arbeiten erfolgte der Rückbau bestehender Flächen der Bodenaufbereitung sowie Randwallanlagen mit einer Gesamtmenge von rund 20.000 t. Die Oberflächenbefestigungen wurden anschließend aufbereitet und als Recycling-Unterbau für die Neugestaltung der Flächen wiederverwendet. Damit setzt das Projekt konsequent auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im Baustellenbetrieb.

Im Zuge der Neugestaltung der Oberflächenentwässerung verlegte Strabag rund 128 m PVC-Rohrleitungen. Zwei Fertigteil-Betonschächte mit integrierten Lamellenklärern zur Reinigung des Oberflächenwassers wurden mithilfe eines elektrischen Autokrans versetzt. Darüber hinaus entstand eine rund 7.400 m² große Aufbereitungsfläche mit zweilagigem Asphaltaufbau auf einer Trag- und Frostschutzschicht aus Recyclingmaterialien. 

18.000 t CO2 eingespar

Ein besonderer Fokus des Projekts lag auf der Integration elektrisch betriebener Großgeräte in den Baustellenalltag. Zum Einsatz kamen 11 E-Geräte unter anderem ein 25-Tonnen Bagger, ein Radlader, ein Autokran und ein Straßenfertiger. Um Lastspitzen abzufedern wurde ein mobiler Batteriespeicher mit einer Kapazität von 153 kWh installiert, der eine zuverlässige Versorgung der eingesetzten Maschinen mit grünem Strom sicherstellte.

Die Ergebnisse des Praxistests zeigen, dass insbesondere schwere elektrische Baumaschinen bereits heute ein Leistungsniveau erreichen, das mit konventionellen dieselbetriebenen Geräten vergleichbar ist. Die Kolleg:innen auf der Baustelle profitieren von reduzierten Geräuschemissionen sowie einer Verringerung der direkten Schadstoffemissionen. Rein rechnerisch konnten so rund 18.000 t CO2 eingespart werden. Die derzeit noch höheren Gerätekosten werden durch die niedrigen Betriebskosten teilweise kompensiert. Ein weiterer Vorteil: die Betriebs- und Wartungskosten fallen deutlich geringer aus als bei dieselbetriebenen Maschinen. So konnten auf der Baustelle in Oberhausen die Energiekosten um rund 90 % reduziert werden. Beim flächendeckenden Einsatz gibt es jedoch noch Herausforderungen zu bewältigen. Elektrisch betriebene Baumaschinen sind aktuell noch nicht überall und in jeder Größe verfügbar. Zudem sind die Möglichkeiten zum Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur auf den Baustellen je nach Einsatzort begrenzt. 

Praxisorientierter Hybridansatz

Um die Baustelle in möglichst kurzer Zeit abwickeln zu können, setzte Strabag auf einen praxisorientierten Hybridansatz. Neben der elektrischen Baustellenkolonne kamen auch konventionelle Maschinen zum Einsatz, die vollständig mit dem erneuerbaren Kraftstoff HVO100 betrieben wurden. Auch die Fahrzeuge für Logistiktransporte betankte Strabag mit dem Dieselersatz.

„Wir bauen hier nicht nur eine Bodenaufbereitungsanlage – wir bauen Vorurteile ab. Mit der elektrischen Baustelle zeigen wir, dass Elektromobilität im Bauwesen bereits heute praxistauglich ist. Echte Erfahrungen auf der Baustelle überzeugen mehr als jede Theorie", sagt Robert Kucza, Nachhaltigkeits-Experte Strabag Direktion Nordrhein-Westfalen.

Weitere Informationen:

www.strabag.de

Weitere Artikel:

31. August 2026
layher
Layher FlexBeam als Produktinnovation ausgezeichnet
layher
Temporäre Konstruktionen müssen oft mit wenig Material viel leisten – und dabei schnell aufgebaut und flexibel an die jeweilige Baustelle angepasst werden können. Genau hier setzt Layher mit dem Aluminium-Träger FlexBeam an, der hohe Tragfähigkeit mit geringem Eigengewicht und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten verbindet. Das überzeugte nun auch die Jury des Irish Construction Excellence Award, die den FlexBeam als Produktinnovation für moderne und nachhaltige Baumethoden auszeichnete.
01. September 2026
bomag
Neuer CSO bei Bomag
bomag
Zum 1. September 2026 übernimmt Marc Kuntz in der Position des Executive Vice President & Chief Sales Officer (CSO) die globale Vertriebs- und Marketingverantwortung bei Bomag. Er tritt die Nachfolge von Michael Grünewald an, der nach 37 Jahren erfolgreicher Tätigkeit für das Unternehmen seine aktive Laufbahn beendet. Mit dieser Nachfolgeregelung stellt Bomag die Weichen für weiteres internationales Wachstum.
03. September 2026
MAN
MAN-Partner investieren in Service-Netz
MAN
MAN Truck & Bus wird bis 2030 noch deutlich mehr in die Weiterentwicklung des Servicenetzwerks investieren als bislang geplant. Der Grund: Das große Vertrauen der Händler, Service-Partner und Importeure in die Weiterentwicklung der Marke und des Produktportfolios. Insgesamt sollen nun rund 700 Mio. Euro bis Ende 2030 in den Ausbau und die Weiterentwicklung des europäischen Service- und Vertriebsnetzes von MAN Truck & Bus fließen.
25. August 2026
holcim
Holcim übernimmt Fermacell
holcim
Holcim hat eine Vereinbarung über die Übernahme von Fermacell von James Hardie Industries plc unterzeichnet. Fermacell ist ein europaweit etablierter Anbieter nachhaltiger Wand- und Bodenlösungen mit einem für 2026 erwarteten Umsatz von rund 430 Mio. Euro. Fermacell ist führend im Bereich hochleistungsfähiger Gipsfaser- sowie zementgebundener Platten und setzt auf nachhaltige Premium-Marken wie fermacell und Aestuver.
30. August 2026
Bauinfoconsult
Marktbefragung: Krisenthemen dominieren die Bautrends
Bauinfoconsult
Die Bauwirtschaft steht 2026 und 2027 vor einem Spannungsfeld aus anhaltendem Krisendruck und neuen technologischen Entwicklungen. Laut einer Befragung von BauInfoConsult bestimmen vor allem Fachkräftemangel, steigende Baukosten und höhere Materialpreise die Branche – jeweils 48 % sehen darin die wichtigsten Einflussfaktoren. Viele Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, serielles und modulares Bauen oder BIM geraten dadurch ins Hintertreffen, während KI-Anwendungen bislang nur für einen Teil der Hersteller das Potenzial zum prägenden Branchentrend haben.
28. August 2026
Porr
Porr startet mit Rückenwind ins zweite Halbjahr
Porr
Die Porr geht mit vollen Auftragsbüchern und einem deutlich verbesserten Ergebnis in die zweite Jahreshälfte 2026. Der Auftragsbestand von 9,84 Mrd. Euro sichert dem Baukonzern eine hohe Auslastung, während das Periodenergebnis um 23,9 % auf 36,4 Mio. Euro stieg. Trotz witterungsbedingter Belastungen entwickelte sich vor allem der Tiefbau positiv, während Effizienzsteigerungen und Kostenmanagement die Ergebnisentwicklung stützten. Für weiteren Rückenwind sorgen zahlreiche Großprojekte und eine anhaltend dynamische Nachfrage im Infrastrukturgeschäft.
25. August 2026
bauaufträge
Bauaufträge ziehen im Juni deutlich an
bauaufträge
Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im Juni 2026 gegenüber Mai 2026 kalender- und saisonbereinigt um 6,0 % gestiegen. Mehrere Großaufträge trugen zu diesem Ergebnis bei. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, nahm der Auftragseingang im Hochbau um 8,5 % und im Tiefbau um 4,0 % zu. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich war der kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang von April 2026 bis Juni 2026 um 5,7 % höher als in den drei Monaten zuvor
(Hochbau: +1,5 %; Tiefbau: +9,3 %).
18. August 2026
Baugenehmigungen
Rekordplus bei Wohnbaugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026
Baugenehmigungen
Im Juni 2026 wurde in Deutschland der Bau von 21.600 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 13,8 % oder 2.600 Baugenehmigungen mehr als im Juni 2025. Dabei stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau um 14,1 % oder 2 200 auf 17.800. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, stieg im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,1 % oder 400 auf 3.900.
17. August 2026
Allenbach-Studie
Allensbach-Studie: Zwischen Baubedarf und Krisenstimmung
Allenbach-Studie
Die Bauwirtschaft bleibt für die Bevölkerung eine der wichtigsten Branchen Deutschlands, verliert angesichts der wirtschaftlichen Flaute jedoch an Ansehen. Gleichzeitig wächst die persönliche Betroffenheit über marode Verkehrsinfrastruktur und fehlenden Wohnraum – und damit der Handlungsdruck auf Politik und Bauwirtschaft. Die aktuelle Allensbach-Studie im Auftrag der Bauindustrie zeigt allerdings, dass die Mehrheit kaum mit spürbaren Verbesserungen in den kommenden Jahren rechnet. Umso wichtiger sind entschlossene Investitionen, aber auch neue Impulse der Branche selbst, um ihre Bedeutung und Attraktivität für die nächste Generation sichtbar zu machen.